Gibraltar & Spanien: Länderspiele, die keiner braucht

Ein Kommentar von Thomas Geleszus

Jetzt also auch noch Jerome Boateng. Der Innenverteidiger ist der nächste Weltmeister und Leistungsträger im DFB-Team, der für das Testspiel beim Europameister Spanien ausfällt. Dass es an diesem Doppel-Länderspieltag Absagen hagelte, ist kein Wunder - denn solche Spiele braucht kein Mensch.

Thomas Müller
Auch Thomas Müller stellt den Sinn mancher Länderspiele in Frage.
imago/Uwe Kraft, imago sportfotodienst

Schon unmittelbar nach dem glanzlos gewonnenen EM-Qualifikationsspiel gegen Fußball-Zwerg Gibraltar nahm Thomas Müller kein Blatt vor den Mund. "Ob man unseren Profikalender mit solchen Pflichtspielen auffüllen muss, ist die große Frage", sagte der Offensivspieler.

Tatsächlich sucht man bei solchen Partien nach einem Mehrwert für Fußballer und Fans, für die solche Spiele laut Müller auch "nur eine gewisse Zeit erträglich" sind. Mehr als drei Punkte und Pfiffe der erfolgsverwöhnten deutschen Zuschauer blieb unter dem Strich nicht übrig.

Auch rein sportlich haben Spiele wie das gegen Gibraltar, das nicht einmal Mitglied der FIFA ist, überhaupt keinen Wert. Elf Männer, die nur darauf bedacht sind, so wenig Gegentore wie möglich zu kassieren, so etwas hat in einer Qualifikation zur EM, die in einer mit 24 Mannschaften aufgeblähten Endrunde gipfelt, einfach nichts zu suchen.

Hochklassige Testspiele? Wohl eher nicht

Wirklich hochklassige Gegner findet man aber letztendlich erst wieder beim Turnier in Frankreich vor. Denn auch der Test gegen Spanien am Dienstag hat für Joachim Löw und dessen Mannschaft maximal in Sachen Prestige einen Wert. Wenn überhaupt, denn dem Bundestrainer stehen in Vigo nur elf Weltmeister zur Verfügung, zwei davon sind Torhüter, die in Brasilien keine einzige Minute auf dem Platz gestanden haben. Ein Spitzenspiel sieht - vor allem im Sinne eines versöhnlichen Jahresabschlusses - anders aus.

Dass Boateng (muskuläre Probleme) und Manuel Neuer (Beschwerden im rechten Kniegelenk) ihre Mitreise auf die iberische Halbinsel nach dem vergangenen EM-Qualifikationsspiel abgesagt haben, kann man den Spielern des FC Bayern nicht nur deswegen kaum übel nehmen. Denn für die Münchner stehen bis zur Winterpause zumindest noch in der Bundesliga wichtige Aufgaben an.

Für das Achtelfinale des DFB-Pokals bleibt dieses Jahr keine Zeit mehr. Solche Spiele, in denen es wirklich um etwas geht, müssen die deutschen Top-Clubs stattdessen in der heißen Phase von März bis Mai hinter sich bringen - in einer Englischen Woche nach der anderen. Schade, denn ohne diese unsägliche Länderspiel-Woche hätte man die Pokal-Begegnungen wohl auch noch als Abschluss des aus deutscher Sicht schönen Fußball-Jahres 2014 unterbringen können.