Gezi-Proteste: Polizist in Haft wegen tödlichen Schüssen auf Demonstranten

7. Juli 2014 - 20:48 Uhr

Gut ein Jahr nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen Demonstranten in Ankara während der Gezi-Proteste in der Türkei ist der Todesschütze verhaftet worden. Die Nachrichtenagentur 'Anadolu' meldete, das Gericht in Ankara habe das Argument der Verteidigung zurückgewiesen, dass der Polizist zur Selbstverteidigung auf den Demonstranten Ethem Sarisülük geschossen habe. Der Polizist bleibe bis zum Ende des Verfahrens in Haft.

Die Nachrichtenagentur 'Dogan' berichtete, die Staatsanwaltschaft werfe ihm Mord vor und fordere mindestens 20 Jahre Haft. Dem 26-jährigen Sarisülük war am 1. Juni bei einer gewalttätigen Demonstration in den Kopf geschossen worden. Der Vorfall wurde auf Video festgehalten. Für wütende Proteste hatte gesorgt, dass der Polizist nach einer vorübergehenden Festnahme wieder freigelassen worden war. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International hatten nach den Gezi-Protesten kritisiert, die Polizei werde für gewalttätige Übergriffe gegen Demonstranten nicht bestraft.

Die Massendemonstrationen gegen die islamisch-konservative Regierung im vergangenen Sommer haben mindestens sieben Menschen das Leben gekostet. Sie flauten im Spätsommer zwar ab. Immer noch kommt es aber gelegentlich zu Protesten, die die Polizei gewaltsam niederschlägt.