Gewinnspiel-Betrüger buchen tausende Euros von Konten ab

06. Oktober 2015 - 11:26 Uhr

Ein-Cent-Betrug

Als Claudia Westerhof aus Oberhausen ihre Kontoauszüge holt, stellt sie fest, dass ihr jemand einen einzelnen Cent überwiesen hat. Sie denkt sich nichts dabei, doch dann bekommt sie hunderte Anrufe von Gewinnspielagenturen. Die Anrufer kennen ihre Kontodaten, behaupten, sie würde an den Gewinnspielen teilnehmen - und buchen jeden Monat die so genannten Teilnahmegebühren von ihrem Konto ab, rund 1.800 Euro.

Doch Claudia Westerhof ist sicher: Sie hat nirgendwo teilgenommen. Auch Karl-Heinz Cirksena aus Berlin bekam erst einen Cent auf sein Konto überwiesen und dann Anrufe und Lastschriftabbuchungen in Serie. Der Absender des Cents nannte sich "Tippallianz". Sie wollten Geld. Über 9.000 Euro buchten die Gewinnspieleanbieter vom Konto des 79-Jährigen ab. Gerade ältere Leute, die selten ihr Konto kontrollieren, werden leicht Opfer betrügerischer Abbuchungen. Die Rentnerin Ingrid Leichter hatte kaum noch Kontrolle über die Bewegungen auf ihrem Konto. 17.000 Euro zogen die Gewinnspiele-Anbieter per Lastschrift von der Rentnerin ein.

Verbraucherschützer wie Jörg Mersmann vom Verbraucherdienst e.V. kennen den Trick mit der Cent-Überweisung. Die Datensätze von 21 Millionen Deutschen sind in dubiosen Kanälen in Umlauf. Die Überweisung ist oft der letzte Check vor dem Abräumen. Doch wer steckt hinter Gewinnspielen mit Namen wie "Glücksqueen", "Megachance" oder "Gewinnquelle", die für 50 bis 60 Euro im Monat ihre Kunden bei Preisauschreiben eintragen wollen? Auf den Internetseiten finden sich meist nur Postfachadressen. Die Firma sitzt dann schon mal in der Türkei oder der Gerichtsstand ist Nevada in den USA. Schwer, da Geld zurück zu bekommen. Wir machen ein Callcenter ausfindig, das als Veranstalter zweier Gewinnspiele genannt wird. Wir wollen wissen, woher sie die Kontodaten der vermeintlichen Mitspieler haben. Wir sind zu den genannten Bürozeiten da, doch niemand öffnet uns. Auch die Hotline ist nicht erreichbar. Eine zweite Adresse, ein ähnliches Bild. Es gibt eine Klingel, mehr nicht. Mindestens zwei Gewinnspiele sind hier eingetragen. Aber Besuch scheint man nicht zu mögen.

Mindestens einmal pro Woche seine Kontoauszüge zu kontrollieren, rät Peter Herkenhoff von der Targobank. Denn nur so lassen sich falsche Lastschriften rechtzeitig stoppen. Lassen Sie also ihr Konto nie aus den Augen. Und vor allem: Verraten Sie niemandem ihre Kontodaten am Telefon.

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