Regulierung soll fairen Wettbewerb ermöglichen

Gewerkschaft Verdi will Onlinehandel einschränken

Aufruf zu Streik bei Amazon
© dpa, Stefan Puchner

16. Dezember 2020 - 12:33 Uhr

Verdi fordert "nachhaltiges Konzept zum Ausbau der Vielfalt im Handel in Deutschland"

Mit Blick auf den explodierenden Onlinehandel und Filialsterben in den Innenstädten fordert die Gewerkschaft Verdi einen staatlichen Eingriff und umschreibt die Forderung als "ein nachhaltiges Konzept zum Ausbau der Vielfalt im Handel in Deutschland". Vor allem ein Unternehmen dürften die Gewerkschafter ausbremsen wollen: Amazon.

Verdi fordert staatliche Maßnahmen gegen "Vernichtungswettbewerb"

"Entscheidend ist die Regulierung des Onlinehandels mit dem Ziel, einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen, der langfristig Arbeitsplätze sichert. Der Vernichtungswettbewerb in der Branche muss auch mit Hilfe von gesetzlichen Maßnahmen beendet werden. Das stabilisiert den Handel insgesamt", erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. "Internationale Konzerne nutzen hemmungslos die mit unseren Steuergeldern geschaffene Infrastruktur aus, zahlen selbst aber so gut wie keine Steuern in Deutschland und verweigern den Beschäftigten rechtssichere Arbeitsverhältnisse über Tarifverträge", so Nutzenberger. Das sei "nicht die Zukunft des Handels in einem modernen Sozialstaat".

Wirtschafts- und Arbeitsministerium, Gewerkschaft und die Unternehmensverbände des Handels sollten sich nach Verdi-Vorstellung bald zusammensetzen, um schnellstmöglich Grundlagen für ein Konzept zum Ausbau der Vielfalt im Handel zu erarbeiten. "Staatliche Unterstützung muss die Interessen der Beschäftigten im Vordergrund sehen. Prekäre Arbeitsverhältnisse zu fördern, die dauerhaft mit unseren Steuergeldern subventioniert werden müssen, ist nicht Aufgabe der Politik", sagte die Gewerkschafterin.

Verdi im Dauerkonflikt mit Amazon

In der Woche vor dem Black Friday Ende November hatte Verdi die Beschäftigten der sieben Amazon-Versandzentren in Leipzig, Bad Hersfeld (zwei Standorte), Rheinberg, Werne, Graben bei Augsburg und Koblenz zu einem dreitägigen Streik aufgerufen.

Ziel der Gewerkschaft ist bereits seit Jahren die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels durch Amazon sowie den Abschluss eines Tarifvertrags. "Den Kolleginnen und Kollegen wird seit acht Jahren die geforderte tarifvertragliche und existenzsichernde Entlohnung vorenthalten. Gleichzeitig macht der Konzern mit dem reichsten Mann der Welt an der Spitze durch Coronavirus-Pandemie, Black Friday, Cyber Monday und im Weihnachtsgeschäft riesige zusätzliche Milliardengewinne", kritisierte Orhan Akman, der bei Verdi den Einzel- und Versandhandel zuständig ist. Dabei würden Schutzmaßnahmen in den Versandzentren missachtet und die Gesundheit der Beschäftigten den maximalen Profitzielen geopfert.

Die Arbeitsbedingungen beim weltweit größten Online-Versandhändler Amazon stehen seit Jahren in Kritik. So gab es erst in den letzten Tagen mitten im vorweihnachtlichen Geschäft im Amazon-Verteilzentrum in Garbsen bei Hannover einen größeren Corona-Ausbruch. Das Gesundheitsamt habe rund 60 Personen registriert, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, teilte die Region Hannover dazu mit.

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Quelle: DPA / RTL.de