Gewerkschaft mahnt - Regelbetrieb nur "Illusion"

Akuter Lehrermangel: Corona verschärft die angespannte Lage in den Schulen

05. August 2020 - 8:57 Uhr

Gewerkschaft befürchtet akuten Lehrermangel

Die Schule beginnt – von Normalität kann aber keine Rede sein. Ein flächendeckender Regelbetrieb sei eine "Illusion", meint der Bundesvorsitzende der Lehrergewerkschaft VBE, Udo Beckmann. Er rechnet mit großen personelle Lücken - und die hätten nicht direkt etwas mit Corona zu tun.

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Corona-Pandemie verschärft Lehrermangel

Bereits vor der Coronakrise habe ein akuter Lehrkräftemangel geherrscht, sagte Beckmann im Interview mit der Welt. "Die personellen Ressourcen reichen trotz Einstellung von Seiteneinsteigenden und der Reaktivierung älterer Lehrkräfte aus Pension und Rente nicht aus." Im neuen Schuljahr fehlten zusätzlich viele Lehrer, weil sie zu Risikogruppen gehörten: "Zusätzlich werden nun – in den Ländern unterschiedlich – circa fünf bis 15 Prozent Lehrkräfte, die attestiert Risikogruppen angehören, fehlen."

Auch die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, blickt besorgt auf den Start des Regelbetriebs. Es sei zwar gut, dass es wieder losgehe, aber:
"Die Schulöffnungen stellen ein hohes Risiko dar", sagte sie im Interview mit der Passauer Neuen Presse. Schüler und Lehrer müssten vorsichtig sein und das Abstandsgebot einhalten.

Was tun gegen den Lehrermangel?

Am Montag ist Mecklenburg-Vorpommern als erstes Bundesland in das neue Schuljahr gestartet. Weitere Bundesländer folgen in den nächsten Tagen. Dabei stellt das Corona-Virus die Schulen vor nie da gewesene Herausforderungen. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, will Bayern im neuen Schuljahr auch Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium einsetzen. Damit sollen Stammlehrkräfte, die zur Risikogruppe gehören, unterstützt werden. 800 sogenannte "Teamlehrkräfte" werden dafür gesucht. Neben ausgebildeten Lehrern können sich auch Menschen mit anderen Hochschulabschlüssen für diese Stellen bewerben.

Die Aufgaben der "Teamlehrkraft":

  • Durchführung des Präsenzunterrichts einer Stammlehrkraft, die coronabedingt nicht selbst vor der Klasse stehen kann
  • Vor- und Nachbereitung des Unterrichts gemeinsam mit der Stammlehrkraft, die für die jeweilige Klasse eingeteilt ist

NRW: zum Schuljahresbeginn rund 800 neue Gymnasiallehrer

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Not groß: In den nächsten zehn Jahren fehlen dort nach Prognosen rund 15.000 Lehrer. Der Ausfall von Pädagogen, die der Risikogruppe angehören, verschärft die Lage zusätzlich. "Wenn es zu viele sind, dann hat die Schulaufsicht einzuschreiten und muss dort den Mangel auch schnellstmöglich beseitigen", sagte NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer im Interview mit RTL. "Wir haben jetzt im Rahmen von Corona ein viertes Maßnahmen-Paket aufgelegt, bei dem wir eben auch zusätzliche Stellen an die Schulen geben können."

Zum Schuljahresbeginn sollen rund 800 Gymnasiallehrer mit frischem Abschluss eingestellt werden, die aufgrund des Wechsels vom acht- zum neunjährigen Gymnasium (G8 auf G9) eigentlich erst in einigen Jahren die Chance auf eine Stelle hätten. Diese Pädagogen sollen für einen Teil ihres Dienstes an Haupt-, Real- und Grundschulen abgeordnet werden, wo der Lehrermangel am größten ist. Außerdem sollen die Möglichkeiten der befristeten Einstellung von Lehrern erleichtert werden.

Debatte um Maskenpflicht in Schulen: Verunsicherung bei Schülern und Eltern

Maskenpflicht in der Schule? Das hängt momentan vom Wohnort ab. Unter anderem in Hamburg, Bayern und Berlin gilt sie auf dem Schulgelände, aber nicht im Klassenzimmer.  Auch in Mecklenburg-Vorpommern wird noch mal überlegt - obwohl das Schuljahr am Montag bereits begonnen hat. In NRW gilt die Maskenpflicht für manche Schüler sogar während des Unterrichts. Doch wie fühlt es sich für Kinder und Jugendliche an über mehrere Stunden eine Maske tragen zu müssen? Die 14-jährige Alicia probiert es für uns zuhause schon mal aus – mehr dazu um Video.

Corona-Test für Lehrer, Maskenpflicht im Schulgebäude oder die Einhaltung des Mindestabstands - in jedem Bundesland gelten unterschiedliche Regeln. Welche Vorschriften es in Ihrer Region in Sachen Schule gibt, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Uno: "Katastrophe für eine ganze Generation"

Weltweit bleiben wegen der Corona-Pandemie zahlreiche Schulen geschlossen. Die Vereinten Nationen warnen deswegen jetzt vor einer "Katastrophe für eine ganze Generation". Dass die Schülerinnen und Schüler sicher zurück in den Unterricht gehen könnten, müsse oberste Priorität haben, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Dienstag. Mitte Juli seien in rund 160 Ländern die Schulen geschlossen gewesen. Davon sei mehr als eine Milliarde Schüler betroffen, mindestens 40 Millionen Kinder hätten die Vorschule versäumt.

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