Gewalt und Kriminalität: Schweden und seine Problem-Bezirke

28. Februar 2017 - 16:35 Uhr

Vor allem die Vororte der Großstädte sind kriminell

Dass Schweden ein Gewaltproblem hat, darüber hatte sich Donald Trump jüngst medienwirksam ausgelassen. RTL-Reporter Henrik Horndahl ist der Behauptung des US-Präsidenten einmal nachgegangen, hat vor Ort recherchiert und herausgefunden, dass Gewalt und Kriminalität vor allem in den Vororten der großen Städte präsent sind.

Vergleichbar mit französischen Banlieues

Wenig Arbeit und wenig Perspektive für die Bewohner der Vororte.
In den Vororten der Großstädte ist der Ausländeranteil vergleichsweise hoch.

Am Rande der schwedischen Großstädte ist der Anteil von Migranten - verglichen mit anderen Landstrichen - deutlich höher. Dort prägen trostlose Häuserburgen, hohe Arbeitslosigkeit und wenig Perspektiven das Geschehen, ähnlich wie in den Pariser Banlieues. Aber: Das Problem gab es auch schon, bevor die vielen Flüchtlinge vor einem Jahr nach Schweden kamen – ein Zusammenhang der Gewaltproblematik und der Flüchtlingswelle ist also schwer nachprüfbar.

Waffen und Drogen sind das Problem

Housam Abbas ist sich sicher, dass Schießereien und Waffen das ist, woran Schwedens Gesellschaft leidet.
Housam Abbas trauert um seinen erschossenen Cousin Ahmed.

Housam Abbas ist sich sicher, dass Schießereien und Waffen das sind, woran Schwedens Gesellschaft leidet. Im November 2016 wurde sein Cousin Ahmed erschossen, vermutlich weil er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort war. Er ist nur eines der Opfer der eskalierenden Gewalt in Malmö. Allein drei Tötungsdelikte auf offener Straße muss die Stadt mit rund 320 000 Einwohnern bereits in diesem Jahr verzeichnen. "Es tut noch sehr weh und es schadet der ganzen Gemeinschaft. Wir warten nur darauf wer der nächste ist", so Abbas.

Rosengard, wo auch Ahmed zu Tode kam, ist statistisch gesehen einer der gefährlichsten Bezirke in Schweden. Es gibt keine Jobs, kaum Geschäfte und frei werdende Wohnungen nehmen vor allem Migranten. Die, die es sich leisten können, ziehen weg.

Kurz nach dem Mord an Ahmed hat sich Schwedens Innenminster Anders Ygemann die Situation vor Ort angesehen und mit den Bewohnern gesprochen. Er versprach, das Budget der Polizei um umgerechnet über 200 Millionen Euro zu erhöhen und die Gesetze zu verschärfen.

Höchste Zeit findet Polizist Jonatan Örstrand, der an einem weiteren Drogenumschlagsplatz in Malmö im Einsatz ist. Er und seine Kollegen verhaften fast täglich Dealer, ins Gefängnis kommt aber kaum jemand. "Wir wissen, was die machen, aber wir können es nicht beweisen. Um rechtlich sauber vorzugehen, darf es keinen Zweifel geben, aber den Handel zu beweisen, ist sehr schwer", erklärt Jonatan Örstrand.  

Es gibt aber auch Positivbesipiele

Stadtteilkoordinator Hjalmar Falck ist sich sicher, dass sein Stadtteil Vorbildcharakter haben kann.
RTL-Reporter Henrik Horndahl trifft Stadtteilkoordinator Hjalmar Falck.

Der Malmöer Brennpunktstadtteil Seved wirkt gar nicht mehr, wie ein Problembezirk. Als Stadtteilkoordinator Hjalmar Falck vor sechs Jahren hierher kam, waren viele Gebäude verwahrlost, voller Ungeziefer. Er war es, der die Hauseigentümer dazu gebracht hat, die Gebäude zu sanieren. 15 Langzeitarbeitslose haben wieder Jobs und halten inzwischen die Straßen sauber. Und das Gebiet wird, trotz Drogenhandels, wieder interessant für die Industrie. "Das ist die Straße der Malmöer, wir lassen uns nicht vorschreiben, wann wir wohin gehen dürfen. Es ist ganz wichtig, diese Zivilcourage zu zeigen, keine Angst zu haben und nicht Befehle von ein paar Kriminellen entgegen zu nehmen, niemals", so Falck.

Und Hjalmar Falck ist sich sicher, dass sein Stadtteil Vorbildcharakter haben kann für die Gewaltprobleme in anderen Vororten in Schweden.