Gewalt in Syrien eskaliert - Journalistin bleibt verschollen

10. Februar 2016 - 14:06 Uhr

Kofi Annan soll vermitteln

Syriens Machthaber Assad versucht mit allen Mitteln einen Umbruch im arabischen Land zu verhindern. Panzer rollen durch beinahe völlig bombardierte Städte, Truppen sollen von Haus zu Haus ziehen und die Oppositionsstadt Homs so dem Erdboden gleichmachen. Die verwundete Journalisten Edith Bouvier soll weiterhin in Homs festsitzen, während ihr Kollege William Daniels nach Medienberichten in den Libanon geschmuggelt wurde. Die UN und die Arabische Liga hoffen, dass Friedensnobelpreisträger Kofi Annan vermitteln kann.

In Homs, Syrien, eskaliert die Gewalt durch die Assad-Truppen
Rebellen verteidigen die syrische Stadt Homs vor den Regime-Soldaten.
© REUTERS, STRINGER

"Homs erlebt jetzt und heute die schlimmsten Angriffe. Jeder Bezirk und jedes Wohngebiet in Homs ist umstellt", berichtete der Aktivist Hadi Abdullah dem arabischen Nachrichtensender 'Al-Dschasira' aus der belagerten Stadt. Soldaten sollen von Haus zu Haus stürmen und nach Desserteuren und Angehörigen der oppositionellen Freien Syrischen Armee suchen. Mittlerweile sollen die Aktivisten das Viertel Baba Amro "aus strategischen Gründen" verlassen haben, wie der Nachrichtensender 'Al-Arabija' meldet. Die Deserteure hätten nicht genügend Waffen und Munition hieß es. Die Armee des Machthabers Assad soll zuvor Panzer rund um das Gebiet in Stellung gebracht haben. Auch in anderen Regionen und Städten sollen Regierungstruppen gewaltsam gegen die Opposition des Machthabers Assad vorgehen.

Die Bilder im Video zeigen die Stadt Homs, Zivilisten berichten von Übergriffen des Militärs und der Angst, die die Menschen lähmt. Unabhängige Quellen sind derzeit wegen der verheerenden Ausmaße der Gewalt kaum verfügbar. Wegen der Medienblockade durch die Regierung sind Berichte aus Syrien oft nicht zu überprüfen.

Europäische Journalisten auf der Flucht

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht in Syrien "die derzeit größte Krise der Weltgemeinschaft". Am Mittwochabend traf er sich mit seinem Vorgänger Kofi Annan, der jetzt als Gesandter der UN und der Arabischen Liga nach Syrien reist. Vorher trifft sich der Friedensnobelpreisträger mit Nabil-al-Arabi, dem Generalsekretär der Arabischen Liga.

Annan sprach nach dem Gespräch mit Ban Ki Moon von einer "schwierigen Verpflichtung und harten Herausforderung": "Die Botschaft ist klar: Das Töten und die Gewalt müssen aufhören, Hilfsorganisationen müssen Zugang erhalten. Es ist bedauerlich, dass beides noch nicht der Fall ist." In den Vermittlungsprozess will Annan den syrischen Machthaber Assad ausdrücklich mit einschließen: "Ich will versuchen, ihn auf den heute beginnenden Prozess zu verpflichten." Ob er den umstrittenen Machthaber treffen könne, sei aber nicht sicher.

In Homs waren in der vergangenen Woche die Journalisten Marie Colvin und Rémi Ochlik bei einem Angriff auf das Pressezentrum der Opposition getötet worden. 'Le Figaro'- Reporterin Edith Bouvier, die bei dem Angriff auf das Zentrum verletzt wurde, gilt unterdessen als vermisst. Die französische 'La Depeche' meldet, die Journalistin sei immer noich "in der syrischen Hölle gefangen".

Französische Behörden sollen jetzt zur Unterbrechung der Kämpfe aufgerufen haben, damit Bouvier evakuiert werden kann. Ihr Kollege Paul Conroy ist am Mittwoch von der Aktivistengruppe Avaaz in den Libanon geschmuggelt worden. Wie Reporter ohne Grenzen meldete, sind seit Beginn des Jahres mindestens vier Journalisten in Syrien ums Leben gekommen. In keinem Land starben in 2012 bisher mehr Journalisten.

Der UN-Menschenrechtsrat verurteilt die Angriffe in Syrien. Dem Regime von Präsident Baschar al-Assad werden unter anderem willkürliche Hinrichtungen, die Tötung von Demonstranten, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten, Folter, sexuelle Gewalt, Misshandlung von Kindern sowie die Behinderung medizinischer Hilfe vorgeworfen. Lediglich Russland, China und Kuba schlossen sich der Resolution des UN-Menschenrechtsrates nicht an. Großbritannien hat wegen der prekären Sicherheitslage alle Diplomaten aus Syrien abgezogen und die Botschaft in Damaskus geschlossen. Die USA hatten ihre Botschaft bereits vor drei Wochen geräumt.