Natürlich vorkommende körpereigene Substanz

Gesundheitslexikon: Glutathion

Glutathion (GSH) ist in jeder Körperzelle vorhanden
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14. August 2019 - 10:55 Uhr

Glutathion - ein Tripeptid mit Schutzfunktion für den Organismus

Glutathion ist als biochemischer Wirkstoff in allen Körperzellen vorhanden. Hier erfahren Sie, welche Funktionen es ausübt, welche Bedeutung es für den Körper hat und wie es sich medizinisch nutzen lässt.

Was ist Glutathion?

Glutathion ist ein Tripeptid aus den Aminosäuren Glutaminsäure, Glycin und Cystein. Alle Zellen des Organismus enthalten Glutathion in relativ hohen Konzentrationen. Dort stellt es eines der wichtigsten Antioxidantien dar. Für die Bildung von Glutathion ist das Enzym Glutathionsynthase verantwortlich. In seinem Molekül enthält es ein Schwefelatom, welches aus der Aminosäure Cystein stammt. Mit dessen Hilfe ist die Ausbildung von Schwefelbrücken möglich, die eine Reihe von Funktionen des Glutathions erklären. Die Fähigkeit der Zellen, Glutathion zu synthetisieren, ist lebensnotwendig. Ohne diesen Wirkstoff könnte der Organismus nicht funktionieren.

Wo kommt Glutathion vor?

Glutathion ist in allen Körperzellen in hoher Konzentration vorhanden. Im Rahmen eines zweistufigen Syntheseweges wird es unter Verbrauch von ATP aus den genannten drei Aminosäuren gewonnen. In einem ersten Reaktionsschritt sorgt das Enzym Glutamatcysteinligase für die Bindung von Glutaminsäure mit Cystein unter ATP-Verbrauch. Ebenfalls unter dem Verbrauch von ATP ist das Enzym Glutathionsynthase für die Anlagerung von Glycin an das terminale Kohlenstoffatom von Cystein verantwortlich. Glutathion kann dem Körper aber auch von außen, beispielsweise in Form eines Nahrungsergänzungsmittels, zugeführt werden.

Welche Funktionen besitzt Glutathion?

Glutathion dient unter anderem als Reserve für Cystein. Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure. Liegt ein Mangel an Cystein vor, wird auf die Synthese aus der essenziellen Aminosäure Methionin oder aus Glutathion zurückgegriffen. Des Weiteren dient Glutathion den Körperzellen als Redoxpuffer. In dieser Funktion wirkt es als Antioxidans, indem es aus seiner reduzierten monomeren Form unter Ausbildung von Schwefelbrücken zu einer oxidierten dimeren Form übergeht. Dabei fängt es freie Radikale zum Schutz der Zellen ab. Drittens ist Glutathion an Entgiftungsreaktionen beteiligt, wobei es durch Biotransformation wasserunlösliche Schadstoffe wasserlöslich macht, die dann über die Nieren ausgeschieden werden.

Was geschieht bei einem Mangel an Glutathion?

Normalerweise sollte der Körper immer ausreichend mit Glutathion versorgt sein. Allerdings kann es Situationen geben, die zu einem Glutathionmangel führen. Genauer gesagt handelt es sich hier um einen Mangel an reduziertem Glutathion, welches das antioxidative Potenzial besitzt. So entsteht unter anderem beim Abbau von Paracetamol ein lebertoxischer Metabolit, der nur durch reduziertes Glutathion inaktiviert werden kann. Bei der Einnahme großer Mengen an Paracetamol liegt schließlich nur noch oxidiertes Glutathion vor, sodass einerseits die Konzentration des lebertoxischen Zwischenproduktes ansteigt und andererseits der oxidative Stress zunimmt. Es droht ein Versagen der Leber mit Todesfolge.

Einsatz von Glutathion in der Medizin

In einer amerikanischen Studie vom April 2013 an 54 Studenten des Penn State College wurde festgestellt, dass die Einnahme von Glutathion in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eine positive Bioverfügbarkeit aufweist. So kann durch die Einnahme von Glutathion ein Mangel ausgeglichen werden. Besonders über die parenterale Zuführung konnte der Glutathionspiegel in den Zellen erhöht werden. Wie effektiv die orale Einnahme von Glutathion aufgrund eines möglichen Abbaus im Verdauungssystem ist, muss noch geklärt werden. Umstritten ist auch die Wirksamkeit von Glutathion zur Bekämpfung von Krebs.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.