"Wellenbrecher-Shutdown ist letzte Patrone"

Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert Kontrollen in Wohnungen

Karl Lauterbach
Karl Lauterbach
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj axs dul pat kno

28. Oktober 2020 - 13:33 Uhr

Lauterbach: Brauchen "zweiwöchigen Wellenbrecher-Shutdown"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat angesichts der drastisch gestiegenen Corona-Infektionszahlen Kontrollen in privaten Räumen gefordert. "Wir befinden uns in einer nationalen Notlage, die schlimmer als im Frühjahr werden kann. Die Unverletzbarkeit der Wohnung darf kein Argument mehr für ausbleibende Kontrollen sein", sagte Lauterbach der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwoch).

"Laschet irrt, wenn er solche Superspreading-Events weiterhin tolerieren will"

"Wenn private Feiern in Wohnungen und Häusern die öffentliche Gesundheit und damit die Sicherheit gefährden, müssen die Behörden einschreiten können." Lauterbach griff in dem Zusammenhang NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) an, der sich dagegen ausgesprochen hatte. "Laschet irrt, wenn er solche Superspreading-Events weiterhin tolerieren will", sagte Lauterbach.

Lauterbach reagierte inzwischen auf Kritik an seinem Vorschlag in einem Tweet am Mittwochmittag: "Um es noch einmal für alle klarzustellen, weil es viel Kritik gibt: ich lehne es ab, dass Polizei oder Ordnungskräfte Wohnungen kontrollieren. Die Privatwohnung bleibt voll geschützt. Trotzdem müssen wir an Bürger eindringlich appellieren, jetzt jede private Feier zu vermeiden."

Vor der Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Mittwoch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Lauterbach den Beschluss eines "Wellenbrecher-Shutdowns" von Bund und Ländern. "Wenn wir einen vollständigen Shutdown samt Schulen, Kitas und Betrieben verhindern wollen, brauchen wir spätestens ab kommender Woche Mittwoch einen zweiwöchigen Wellenbrecher-Shutdown mit einzelnen Ausnahmen, mit dem wir die massive zweite Welle brechen können", sagte Lauterbach.

Schulen, Kitas und Geschäfte für den lebenswichtigen Bedarf könnten geöffnet bleiben, Betriebe ihre Arbeit so weit wie möglich ins Homeoffice verlagern. Nicht verschiebbare Familientreffen etwa für Beerdigungen könnten mit maximal reduzierter Anzahl von Personen stattfinden. Auf Hochzeits- oder Geburtstagsfeiern sollte in dem Zeitraum verzichtet werden, sagte Lauterbach. "So ein Wellenbrecher-Shutdown ist unsere letzte Patrone."

Ob ein solcher Vorschlag umsetzbar wäre und ob die Corona-Runde rund um Kanzlerin Merkel überhaupt über diesen Vorschlag nachdenkt – dazu Reporterin Franca Lehfeldt im Video.

Quelle: dpa/www.rp-online.de

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