Gesundheitsämter unter Druck

Große Lücken bei der Kontaktnachverfolgung

20. Oktober 2020 - 17:42 Uhr

Sinkt die Kooperationsbereitschaft in der Corona-Krise?

Über unkooperative Corona-Infizierte klagten zuletzt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), als auch die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Laut Reker könne das Kölner Gesundheitsamt in 40 Prozent der Fälle nicht mehr zurückverfolgen, wo sich die Infizierten angesteckt hatten. Der Grund: Bewusste Falschangaben oder ziemlich große Erinnerungslücken. Mittlerweile ist der gesamte Ruhrpott ein sogenanntes Corona-Risikogebiet.

Eine Umfrage der RTL/ntv Redaktion in allen Gesundheitsämtern in deutschen Corona-Hotspots (Stand: 19.10.) ergab, dass viele Ämter über ähnliche Probleme klagen. Zwar konnte dies nicht immer auf bewusste Falschangaben zurückgeführt werden, jedoch hat aber ganz offenbar die deutlich erhöhte Zahl der Kontakte der Corona-Infizierten zur Folge, dass nicht alle Personen in der Infektionskette ermittelt werden können.

Teils über 40 % der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten nicht zu ermitteln

Von den 46 Gesundheitsämtern, die bis Dienstagnachmittag antworteten, gaben 18 Ämter an, die gleichen oder ähnliche Erfahrungen wie das Gesundheitsamt in Köln gemacht zu haben – überwiegend waren die Probleme allerdings auf Erinnerungslücken bei den Infizierten zurückzuführen. 21 Gesundheitsämter hatten keine oder nur geringe Probleme in der Kontaktnachverfolgung, sieben konnten keine Angaben machen.

Konkrete Angaben der nicht zu ermittelnden Kontakte (in Prozent) von Corona-Infizierten, aufgrund von Falschangaben oder Erinnerungslücken, machten die Ämter der Kreise Düren (46 Prozent), Frankfurt am Main (ca. 40 Prozent), Bonn (ca. 40 Prozent) Offenbach (36 Prozent), Rhein-Kreis Neuss (35 Prozent) und Marburg-Biedenkopf (23 Prozent). Ein Referent für Gesundheit der Stadt Augsburg nannte RTL/ntv wiederum ein aktuelles Beispiel von Montag: "Von den gestrigen 106 neuen Covid-19-Fälle in den vergangenen 48 Stunden ist bei 73 Infektionen die Infektionsquelle unbekannt. Also rund 68 Prozent." Demnach fehlt bei 32 Prozent die Quelle.

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Auch in Düsseldorf, der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen, habe man "teilweise ähnliche Erfahrungen gemacht wie beispielsweise in Köln." Aus Bonn hieß es, man könne die "Aussage aus Köln bestätigen" und aus Delmenhorst (212 Infizierte je 100.000 Einwohner): "Auch bei uns in Delmenhorst gibt es Menschen, die keine oder keine richtigen Angaben machen."

Eine andere Lage beschreibt eine Sprecherin der Stadt Dortmund: "Nach unserer Erfahrung verhalten sich die Dortmunder Bürgerinnen und Bürger sehr verantwortungsvoll. In der Regel stimmen - bis auf Einzelfälle - die Angaben der Kontaktdaten."

Feiern bleiben ein Problem

Auch große Feiern oder private Zusammenkünfte mit mehreren Menschen bleiben in der Kontaktnachverfolgung eine immense Herausforderung. Aus dem Gesundheitsamt Berlin-Mitte hieß es: "Es gibt immer mal wieder einzelne große Ereignisse, bei denen die Teilnehmer*innen keine Angaben machen (wollen)." Ein Sprecher der Stadt Bonn sagte zu RTL/ntv: "Derzeit geht die Mehrzahl der Infektionen auf Ansteckungen im häuslichen Umfeld oder bei privaten Treffen/Feiern zurück."

Und das Gesundheitsamt Cloppenburg (185 Infizierte je 100.000 Einwohner) mahnte: "Es ist jedoch auffällig, dass Personen eher zur Falschaussage neigen, wenn sie sich zum Beispiel bei einer Feier angesteckt haben, die durch eine Verordnung verboten wurde oder wenn sie die Maskenpflicht in einem entscheidenden Moment verletzt haben."

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