Sie benutzen Uralt-Technik und haben zu wenig Personal

Deutschlands Gesundheitsämter wegen Corona am Limit

30. November 2020 - 11:38 Uhr

Hamburg: Kollegen aus dem Polizeiorchester helfen im Gesundheitsamt aus

Die Corona-Krise hat Deutschland weiter fest im Griff. Besonders belastet: unsere Gesundheitsämter. Zu deren Aufgaben unter anderem gehört, die Krankheitsfälle zu verfolgen. Mögliche Infektionsketten aufzuspüren. Eine Herkulesaufgabe, die zusätzlich erschwert wird, weil in Deutschlands Amtsstuben das 21. Jahrhundert noch nicht begonnen hat. Statt mit moderner Technik, cleveren Apps, die den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern, wird vielfach noch mit Papier und Stift gearbeitet. Mehr dazu – in unserem Video.

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Nur 20 von 400 Gesundheitsämtern nutzen digitales Corona-Tagebuch aus der Warn-App

10.11.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Pasewalk: Soldaten der Panzergrenadierbrigade 41 ·Vorpommern· unterstützten im Landratsamt Vorpommern-Greifswald das Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktnachverfolgung. Die Bundeswehr hat im Nordosten derzeit 178
In vielen Gesundheitsämtern leistern Bundeswehr-SpldatenAmtshilfe und helfen bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonender Corona-Infizierten.
© dpa, Stefan Sauer, sts htf

Wenn es nicht um so ein ernstes Thema ginge, wäre es fast lustig, was Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard über den Behörden-Alltag in Hamburg berichtet. Hamburg, zweitgrößte Stadt in Deutschland nach Berlin.

Dort mühen sich die Mitarbeiter mit Listen von Kontaktdaten ab, die ihnen per Fax zugeschickt werden. Und dann mühsam von Hand wieder eingetippt werden müssen. Von Mitarbeitern, die aus anderen Behörden ausgeliehen sind, weil die Gesundheitsämter personell längst am Anschlag sind. So schieben jetzt Kollegen von der Spielbankaufsicht und aus dem Polizeiorchestern dort Dienst.

Neben der mangelhaften Ausstattung gibt es ein weiteres großes Problem: die vielen Kreisgesundheitsämter nutzen unterschiedlichste Computerprogramme, mit denen ein Datenaustausch nicht möglich ist. Ganze 20 Gesundheitsämter arbeiten mit dem digitalen Corona-Tagebuch aus der Warn-App - 20 von 400!

Naheliegende Lösung aus Deutschland wäre verfügbar

Dabei bietet diese einen Riesenvorteil – symptomfreie User müssen nicht mehr mühsam nachverfolgt und abtelefoniert werden. Die Mitarbeiter in diesen Ämtern können sich auf die Patienten konzentrieren, die aktiv Hilfe benötigen. Davon können 95 Prozent der deutschen Gesundheitsämter nur träumen - weil die Digitalisierung schlichtweg verschlafen wurde.

Mit der Plattform SORMAS des Helmholtz-Instituts (HZI) gäbe es eine naheliegende Lösung. Mit der sollen Kontaktketten automatisch nachverfolgbar sein. Zudem könnten Testlabors, Ämter und Robert Koch-Institut (RKI) vernetzt werden, heißt es in Berichten von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung.

Das in Deutschland entwickelte SORMAS wurde 2017 erstmals in Ghana und Nigeria zum Management der Ebola-Pandemie eingesetzt und ist offenbar leicht auf Covid-19 umstellbar.