Gestrandete Flüchtlinge aus Westafrika werden versklavt und eingesperrt

09. September 2015 - 13:23 Uhr

RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault berichtet

Sie wollen nach Europa, aber können mangels Geld weder weiter noch zurück, berichtet der 26-jährige Elhadge Kamera aus dem Senegal. Er war zwei Jahre in Libyen und ist einer der wenigen, der es geschafft hat wieder herauszukommen. Ein Blick ins Auffangzentrum in der nigrischen Hauptstadt Niamey genügt, um zu sehen: Wer Libyen überlebt, kommt nicht ohne Blessuren davon.

Westafrika-Flüchtlinge versklavt und eingesperrt
Für Guiseppe Loprete ist die europäische Flüchtlingspolitik grundlegend falsch.

Ein Mann spricht vor lauter Schock nicht mehr. Er erlitt schwere Brandwunden, als der alte Bus, den seine Schleuser organisierten, verunglückte. Ein Junge verlor seine Hand, weil Libyer ihn zwangen, Zwiebeln in einem Minenfeld zu ernten. Vermutlich tausende Westafrikaner sterben, bevor sie das Mittelmeer sehen.

Kamera wurde geschlagen, erpresst, als Geisel genommen und landete für fünf Monate im Kerker. "Wer kein Geld hat, um sich rauszukaufen, wird eingesperrt. Banditen haben da Gefängnisse extra für uns gebaut."

"Geld besser in Herkunftsländern investieren"

Die Auffanglager der Internationalen Organisation für Migranten stehen leer. Guiseppe Loprete rechnet mit nicht mehr als 6.000 Rückkehrern in diesem Jahr. Das heißt: weniger als in einer Woche den Niger verlassen. Für Loprete ist die europäische Flüchtlingspolitik grundlegend falsch. "Wenn nur ein kleiner Teil dessen, was für die Rettungseinsätze der Flüchtlinge im Mittelmeer oder für Grenzsicherungen ausgegeben wird, in den Herkunftsländern dieser Menschen zur Verbesserung ihrer Lage investiert würde, könnte man dort viel verbessern." Solche und ähnliche Sätze hört man auch immer wieder von deutschen und anderen europäischen Politikern. Doch die Umsetzung steht auf einem anderen Blatt.

Wer wie Elhadge Kamera Libyen überlebt hat, ist nicht wirklich erleichtert, berichtet RTL-Afrika-Korrespondentin Nicole Macheroux-Denault. Denn zuhause erwarten die Männer enttäuschte Familien. Sie haben oft Haus und Hof zur Verfügung gestellt, für die Hoffnung auf ein besseres Leben. Damit lässt sich für die Männer schwer leben, wenn sie irgendwann zurückkehren.