Kollisionsgefahr im Orbit

Gestra: Deutsche Spitzentechnologie soll vor Weltraumschrott warnen

13. Oktober 2020 - 15:30 Uhr

Mehr Sicherheit durch Gestra

Ausrangierte Satellitenteile, Rückstände von Raketen – der Weltraumschrott nimmt immer mehr zu. Damit wächst gleichzeitig auch die Kollisionsgefahr für noch aktive Satelliten. Das erste in Deutschland gebaute Weltraumüberwachungsradar Gestra des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt soll nun davor warnen und mehr Sicherheit bieten.

Erster in Deutschland entwickeltes Weltraumradar

12.10.2020, Rheinland-Pfalz, Koblenz: Einer der zwei mit Radarantennen ausgestatteten Container des Weltraumüberwachungsradars am Rand des Truppenübungsplatzes Schmidtenhöhe. Die Kollisionsgefahr für funktionierende Satelliten. mit Weltraumschrott wä
Der Weltraumradar Gestra kann Schrott in bis zu 2000 Kilometern Höhe beobachten.
© dpa, Thomas Frey, tfr exa

Unfall im Weltraum? Schon mehr als 900.000 teils kleine Schrottobjekte, Tausende Satelliten sowie Raumfahrzeuge ziehen nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Orbit ihre Bahnen. Die Kollisionsgefahr wächst von Jahr zu Jahr. Mit jedem Unfall im Orbit wächst außerdem die Anzahl der Trümmerteile, die wiederum ihrerseits eine Gefahr darstellen. Das DLR stellte nun in Koblenz nach eigenen Angaben das "erste in Deutschland entwickelte und gebaute Weltraumüberwachungsradar" vor.

Die Spitzentechnik für 44,5 Millionen Euro soll Weltraumschrott in erdnahen Orbithöhen zwischen 200 und 2000 Kilometern erkennen. Betreiber gefährdeter Satelliten können ihre teuren Objekte dann bremsen oder die Flughöhe verändern. Auch die Internationale Raumstation ISS in rund 400 Kilometern Höhe kann gewarnt werden.

Gestra in zwei Containern mit Dachkuppel

12.10.2020, Rheinland-Pfalz, Koblenz: Die Radarantenne des Weltraumüberwachungssystems am Rand des Truppenübungsplatzes Schmidtenhöhe besteht aus 256 Modulen. Die Kollisionsgefahr für funktionierende Satelliten mit Weltraumschrott wächst. Das erste i
Nach einer Testphase soll Gestra im ersten Quartal 2021 in den Vollbetrieb gehen.
© dpa, Thomas Frey, tfr exa

Das German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar (Gestra) ist auf der Koblenzer Schmidtenhöhe in zwei weißen Containern mit je einer Dachkuppel untergebracht. Sende- und Empfangssystem befinden sich räumlich getrennt jeweils in einem Container. Das führt dem DLR zufolge zu "geringerer Beeinflussung und damit zu einer höheren Empfangsleistung".

Das im Auftrag des DLR-Raumfahrtmanagements in Bonn vom Fraunhofer-Institut für  Hochfrequenzphysik und Radartechnik entwickelte Radarsystem besteht aus jeweils 256 einzeln elektronisch gesteuerten Sende- und Empfangseinheiten. Nach einer recht kurzen Testphase soll Gestra bereits im ersten Quartal 2021 in den Vollbetrieb gehen.

ISS fliegt regelmäßig Ausweichmanöver

Hurricane Genevieve is seen from the International Space Station (ISS) orbiting Earth in an image taken by NASA astronaut Christopher J. Cassidy August 19, 2020.  NASA/Christopher J. Cassidy/Handout via REUTERS.  THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THI
Die ISS musss regelmäßig Trümmern im All ausweichen.
© via REUTERS, NASA, CLH/

Die Spitzentechnik in den beiden Containern arbeitet meist alleine ohne Personal und wird aus der Ferne vom Weltraumlagezentrum im Nordrhein-Westfälischen Uedem am Niederrhein kontrolliert. Dieses betreiben das DLR-Raumfahrtmanagement und die Luftwaffe gemeinsam. Hier werden die Daten von Gestra verarbeitet. Während das neue Koblenzer System die Bahnen von Weltraumkörpern verfolgt und katalogisiert, kann das Weltraumbeobachtungsradar Tira bei Bonn verdächtige Objekte näher unter die Lupe nehmen.

Inzwischen hängen weite Teile der modernen Technik wie Mobiltelefone, Internet und Navigationsgeräte von Satelliten ab. Umso wichtiger ist deren Schutz vor Weltraumschrott. "Die ISS fliegt regelmäßig Ausweichmanöver", sagt DLR-Sprecherin Elisabeth Mittelbach. "Das Problem sind die nicht mehr steuerbaren, ausrangierten Teile, bei denen man keinen Knopf mehr drücken kann. Wenn davon zwei zusammenstoßen, können noch mehr Trümmer entstehen."

Anlage bei Uedem überwacht den Luftraum

21.09.2020, Nordrhein-Westfalen, Uedem: Ein Teleskop des Nationalen Lage- und Führungszentrum für Sicherheit im Luftraum in Uedem. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat ein neues Weltraumoperationszentrum der Luftwaffe in Dienst gestellt. Der
Das Weltraumoperationszentrum der Luftwaffe in Uedem
© dpa, Arnulf Stoffel, mg abl

Von der Luftverteidigungsanlage auf dem Paulsberg bei Uedem hat auch das deutsche Militär den kompletten Luftraum über der Bundesrepublik im Blick. Neben der Beobachtung des Weltraums steuert es von hier aus auch Alarmstarts von Kampfflugzeugen bei möglichen Bedrohungen. Aus Sicht von Militärexperten ergibt es für Deutschland wenig Sinn, Luft- und Weltraum zu trennen - ungeachtet der physikalischen Unterschiede. Deutschland geht damit einen anderen Weg als die USA, die für den Weltraum eine eigene Teilstreitkraft aufgestellt hat.

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