Kann das sein - inmitten der Corona-Krise?

Alle wollen Schutzmasken – doch Händler bleiben auf Ware sitzen

11. April 2020 - 11:19 Uhr

von Martin Eberl

Deutschland fehlt es dringend an Schutzmasken. Die Geschichte von Unternehmer Tom Laufer passt da nicht wirklich ins Bild: Er sitzt auf rund einer Million Gesichtsschutzmasken, die niemand haben will. Wie das sein kann? Wir haben nachgefragt.

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Laufer bot die Ware Gesundheitsministerien an - ohne Reaktion

Tom Laufer sitzt auf rund einer Million Gesichtsschutzmasken, die bisher keiner kauft. Dabei handelt es sich um sogenannte Mund-Nasen-Schutzmasken, auch OP-Masken genannt. Diese schützen andere vor einer Tröpfcheninfektion durch den Träger. Laufers Firma fertigt normalerweise Merchandise-Textilien. Auf die Corona-Krise reagierte der 41-jährige Unternehmer aus Nürnberg schnell, ließ bereits Mitte März die Näherinnen bei seinem Vertriebspartner in Bosnien Schutzmasken statt T-Shirts produzieren. Stückpreis ab 1,80 Euro. "Die sind aus hundert Prozent zertifizierter Biobaumwolle. Die Masken sind wiederverwendbar und können bei neunzig Grad gewaschen und so sterilisiert werden", schildert Laufer die Vorzüge.

Zunächst bot er seine Ware bei Gesundheitsministerien, Stadtverwaltungen und Kliniken an, schickte Muster per Kurier an Altenheime und Supermarkt-Ketten. Auch nach Österreich, wo einfache Masken beim Einkauf Pflicht sind. Doch niemand wollte bestellen. Manche Firmen lehnten höflich ab.

Der österreichische Discounter Hofer lehnt es auf Nachfrage zu den Gründen ab, sich zu Lieferanten zu äußern. Bei Ministerien wurde Laufer von einem Ansprechpartner an den nächsten weiterverwiesen, der angeblich für Einkauf von Material zuständig sei. Am Ende kam irgendwann nur eine automatisierte Antwortmail zurück. Bei einer Ausschreibung des Bundesgesundheitsministeriums wurden die wiederverwendbaren Schutzmasken abgelehnt, weil sie nicht über die FFP2-Klassifikation verfügen.

Erst seit über Tom Laufers Fall in den Medien berichtet wird, bekam er jetzt zahlreiche Anfragen, von Händlern, Baumärkten und einer Fastfood-Kette. Von tausend Stück bis 250.000. "Aber das sind noch keine verbindlichen Bestellungen", bleibt der Nürnberger Unternehmer skeptisch.

Wie sinnvoll sind Schutzmasken? Gesundheitsminister Jens Spahn und Virologe Hendrik Streeck im Interview. Mit welcher Maske kann man sich selbst und mit welcher seine Mitmenschen schützen?

"Jetzt können wir uns vor Aufträgen nicht retten"

Ist Laufer ein Einzelfall? Nein! Auch Dirk Löhr (55), Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Trier wollte bei der Versorgung Deutschlands mit Schutzmasken aus China helfen. Er verfügt über persönliche Kontakte zu chinesischen Herstellern, könnte unentgeltlich vermitteln bei Bestellungen großer Mengen FFP2-Masken, Schutzkleidung oder Beatmungsgeräte. Doch auch Löhr stieß zunächst auf kein Interesse, als er Gesundheitsministerien von Bund und Ländern seine Hilfe anbot. Das rheinland-pfälzische Ministerium bestätigt RTL zwar auf Anfrage: "Das von Ihnen angesprochene Angebot ist dem Ministerium bekannt und wurde an die für Beschaffung zuständige Stelle weitergegeben." Bearbeitung und Kontaktaufnahme könne aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Erst als Löhr schließlich seinen Bürgermeister im Ort ansprach, ging es plötzlich schnell. "Am Abend war der saarländische Regierungssprecher mit mir auf Facebook befreundet und am nächsten Morgen meldete sich das saarländische Gesundheitsministerium", berichtet der 55-jährige. Anfragen kommen inzwischen auch aus Spanien und den USA. "Jetzt können wir uns vor Aufträgen gar nicht retten."

Das Bundesgesundheitsministerium und das bayerische Gesundheitsministerium wollen sich nicht zu den Initiativen von Tom Laufer und Dirk Löhr äußern. Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schreibt: "Alle eingehenden Angebote werden durch die Beschaffungsstelle geprüft. Obgleich alle Beteiligten ihr Bestes geben, kann eine finale Rückmeldung an den Anbietenden aufgrund der großen Vielzahl an Einsendungen einige Tage in Anspruch nehmen."