Gerüchteküche kocht: Nachfolge-Diskussion um Wulff

10. Februar 2016 - 12:24 Uhr

Wulff-Nachfolge: Was läuft hinter den Kulissen?

Bundespräsident Christian Wulff (CDU) will mit aller Macht im Amt bleiben. Das wird aus nahezu jeder seiner Äußerungen deutlich. Er hofft, das "Stahlgewitter" gestärkt zu überstehen. In Kriegsrhetorik spricht der Mann derzeit häufig und das belegt, dass er sich - in Indianersprache gesprochen - auf dem Kriegspfad mit den Medien befindet. Und immer noch ist Wulff sicher, dass sich in einem Jahr niemand mehr an seine Affären erinnert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und 'ihr' Präsident Christian Wulff.
Wo bitte geht es hier aus dem Amt raus? Da hinten? Bundespräsident Wulff steht weiterhin schwer unter Beschuss.
© dpa, Tobias Kleinschmidt

Das mag zwar sein, aber es ist durchaus auch möglich, dass das dann daran liegt, dass es den Bundespräsidenten Wulff in einem Jahr nicht mehr gibt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verhält sich merkwürdig still.

Und deshalb, so glauben mehrere Zeitungen zu wissen, sollen sich die Parteispitzen von Union und SPD bereits auf einen Rücktritt vorbereiten - was führende Koalitionspolitiker freilich derzeit noch vehement dementieren.

Sollte sich herausstellen, dass das Staatsoberhaupt nicht in allen Punkten die volle Wahrheit gesagt habe, wollten Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer und FDP-Chef Philipp Rösler Wulff nicht mehr stützen, schrieb die 'Rheinische Post' unter Berufung auf Regierungskreise. Nach Angaben des Blattes und der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' soll dann ein Kandidat vorgeschlagen werden, den auch die Opposition mitträgt.

SPD will keinen Streit - sie wartet einfach ab

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte der 'FAS', natürlich stehe die Kanzlerin mit Vizekanzler Rösler in permanentem Kontakt: "Sie sieht aber keine Veranlassung, über eine Nachfolge für den Bundespräsidenten zu sprechen." Seehofer erklärte: "An diesem Bericht ist nicht das Geringste dran, er ist schlicht die Unwahrheit." Und Vize-FDP-Sprecherin Kathrin Klawitter befand: "Die Berichte und Gerüchte sind frei erfunden."

SPD-Chef Gabriel bot Merkel in der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' gleichwohl im Fall eines Wulff-Rücktritts an, gemeinsam eine geeignete Persönlichkeit für die Nachfolge zu benennen. Er fügte hinzu: "Die SPD wollte und will keinen parteipolitischen Streit um das Amt des Bundespräsidenten." Die SPD würde daher "auch keine weiteren Forderungen wie etwa die nach Neuwahlen erheben". Damit wies Gabriel seine Generalsekretärin Andrea Nahles in die Schranken, die zuvor bei einem Verzicht Wulffs auf das Amt Neuwahlen gefordert hatte.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth forderte in der 'Welt am Sonntag' die Kanzlerin auf, bei einem Rücktritt Wulffs eine Verständigung mit der Opposition zu suchen. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte hingegen der 'Süddeutschen Zeitung': "Es gibt keinen Grund, über die Neuwahl des Bundespräsidenten nachzudenken."