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Germanwings-Copilot: US-Behörde fragte wegen Depression nach

Germanwings-Copilot: US-Behörde fragte wegen Depression nach

"Lücken in der Dokumentation des Gesundheitszustandes"

Die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) stand im Jahre 2010 vor der Frage, ob man Andreas L., eine Fluglizenz für die USA geben sollte oder nicht. Dies berichtet die 'New York Times'. Der Copilot, der im März einen Germanwings-Airbus mit 150 Passagieren an Bord zum Absturz gebracht haben soll, hatte Ende 2009 - während seiner Pilotenausbildung - eine schwere depressive Phase. Während dieser Phase hatte Andreas L. seine Ausbildung unterbrochen, später setzte er sie fort, nachdem er alle erforderlichen Tests noch einmal absolviert und bestanden hatte.

Germanwings-Copilot: US-Behörde fragte wegen Depression nach
Bergungsarbeiten an der Absturzstelle (Archivbild)
Reuters, HANDOUT

L.'s Ärzte meldeten der Behörde die bestandenen Tests und versicherten gleichzeitig, dass der junge Mann vollständig genesen sei. Zudem bekomme er Medikamente, die eine erneute Erkrankung verhindern sollten. Die US-Luftbehörde fragte nach, das der angehende Pilot die Lufthansatrainingsschule in Phoenix (US-Bundesstaat Arizona) besuchen sollte, wo die Flugschüler lernen sollen, kleine Maschinen zu fliegen. Dies geht aus Unterlagen hervor, die im Zuge des US-Informationsfreiheitsgesetzes veröffentlich worden sind.

Diese Unterlagen seien von verschiedenen Nachrichtenredaktionen angefordert worden, um angebliche "Lücken in der Dokumentation des Gesundheitszustandes des Copiloten zufüllen". L. wurde laut dieser Unterlagen von Januar bis Oktober 2009 – der Phase der Unterbrechung seiner Ausbildung – behandelt. Die Ausbildung dauert normalerweise zwei Jahre und beinhaltet einen mehrmonatigen Besuch der Schule in Phoenix. Letztlich wurde ihm die Erlaubnis erteilt mit dem Hinweis darauf, dass sie ihm sofort wieder entzogen würde, kehrte die Krankheit zurück.

Kritik an deutscher Schweigepflicht

Weitere Dokumente sollen belegen, dass Andreas L. im Juni 2010 versucht hat, die US-Luftbehörde über seinen Gesundheitszustand zu belügen. Auf einem Fragebogen soll er als Antwort auf die Frage nach psychischen Probleme 'Nein' angekreuzt haben, es dann aber verbessert haben.

Dabei kritisiert die 'New York Times' indirekt die strengen Schweigepflicht-Regelungen in Deutschland, die angeblich die Aufklärung verhindern würden, wie Andreas L. die Ausbildung zum Piloten absolvieren konnte, und warum weder Lufthansa noch Germanwings das sich "immer dramatischer" verändernde Verhalten des Mannes auffiel.

Festzuhalten bleibt am Ende jedoch, das auch die US-Luftfahrtbehörde FAA – trotz der Warnung – die Erlaubnis zum Fliegen in den USA erteilte. So konnte er schließlich an der Ausbildungsphase in Phoenix teilnehmen. Dies geschah aufgrund der Berichte und Atteste von L.' deutschen Ärzten, und im letzten Schritt auch aufgrund einer Untersuchung durch die FAA.