Germanwings-Absturz - Laut Ex-Freundin drohte Andreas L.: "Eines Tages wird jeder meinen Namen kennen"

09. April 2015 - 15:34 Uhr

Eines Tages kennt jeder meinen Namen

"Eines Tages wird jeder meinen Namen kennen." Das soll Andreas L. seiner damaligen Freundin gesagt haben. Er sei wütend gewesen, weil er nie Kapitän werden könne, angeblich wegen seiner psychischen Erkrankung, heißt es in einem Bericht der Bild-Zeitung. Wie glaubhaft die Aussagen sind, wissen wir nicht. Aber eines steht fest: Jetzt kennt jeder seinen Namen. Doch das allein reicht nicht. Alle möchten verstehen und nachvollziehen können, was ihn offenbar zu solch einer Wahnsinnstat gebracht hat.

Andreas L. drohte laut Ex: Eines Tages kennt jeder meinen Namen
Säckeweise Material nahmen die Ermittler auch am Freitag wieder mit aus L.s Elternhaus in Montabaur
© REUTERS, RALPH ORLOWSKI

Johannes Roßbach, ein Nachbar des Co-Piloten, kann noch immer nicht glauben, dass es Vorsatz war: "Ich weigere mich zu glauben, dass er das mit Absicht gemacht hat."

Säckeweise Material nahmen die Ermittler auch am Freitag wieder mit aus L.s Elternhaus. Alles Puzzleteile, aus denen das Bild eines Mannes entstehen soll, der für die einen ein Massenmörder ist, für andere ein psychisch Kranker und selbst ein Opfer. Am Vorabend hatte die Polizei seine Wohnung in Düsseldorf durchsucht und mehrere Krankschreibungen gefunden, auch eine für den Unglückstag - zerrissen.

"Der Umstand, dass dabei unter anderem aktuelle, zerrissene aktuelle und den Tattag umfassende Krankschreibungen gefunden wurden, stützt die Annahme, dass L. die Krankheit gegenüber dem Arbeitgeber verheimlicht hat", meint Christoph Kumpa von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

Alles spricht gegen einen geplanten Suizid

Es gibt keinen Abschiedsbrief, kein Bekennerschreiben, aber den Beweis, dass L. beim Arzt war. All das spricht dagegen, dass er einen Selbstmord geplant hat. Was geschah also über den Wolken? Psychologen vermuten, dass der offenbar depressiv Kranke sich spontan zu seiner Tat entscheidet. Eben noch ist alles normal - dafür spricht auch die ruhige Unterhaltung mit dem Piloten - doch in dem Moment, in dem er auf einmal allein ist, das Steuer und damit sein Leben in der Hand hat, sieht er vielleicht die Chance, seiner Krankheit ein Ende zu setzen.

Was hätte also getan werden können? Die deutschen Flugunternehmen beschlossen in einer ersten Reaktion ein neues Vier-Augen-Prinzip für das Cockpit. Sollte also wieder einer der Piloten zum Beispiel zur Toilette gehen, würde sich so lange ein anderes Crew-Mitglied mit ins Cockpit setzen. Der Absturz hätte sich so womöglich verhindern lassen.

Um die Untersuchungen abschließen zu können, brauchen die Ermittler aber immer noch die Black Box, die alle Flugdaten aufzeichnet. Bisher wurde nur die zerstörte, leere Hülle gefunden.

Diese Daten wären handfeste Beweise, die helfen könnten, das Unfassbare zu glauben. Die Aussage der Freundin ist letztlich ein weiteres Puzzleteil, um sich ein Bild zu machen vom Co-Piloten und dem, was er offenbar getan hat. Die ganze Welt kennt jetzt seinen Namen - und kann Andreas L. jedoch noch immer nicht verstehen.