Germanwings-Absturz: Hat Lufthansa das Luftfahrtbundesamt nicht über Depressionen des Co-Piloten informiert?

09. April 2015 - 9:55 Uhr

"Keinerlei Informationen über medizinischen Hintergründe"

Der medizinische Dienst der Lufthansa hat das Luftfahrtbundesamt möglicherweise nicht über die frühere Depression des Co-Piloten der abgestürzten Germanwings-

Lufthansa check-in mit Trauerschleife
Hat die Lufthansa Informationen über die Depression des Co-Piloten nicht weitergegeben?
© REUTERS, WOLFGANG RATTAY

Maschine informiert. Das berichtet die 'Welt am Sonntag' und beruft sich auf eine schriftliche Stellungnahme der Behörde. Demnach hatte die Braunschweiger Behörde bis zur Akteneinsicht beim Aeromedical Center am 27. März "keinerlei Informationen über medizinischen Hintergründe", wie es heißt.

Flugmediziner müssen in Fällen schwerer Krankheiten wie Depressionen das LBA einschalten, wie die 'Welt am Sonntag' berichtet - allerdings gelte dies erst seit April 2013. Bisher ist bekannt, dass der Co-Pilot als Flugschüler seine Lufthansa-Verkehrsfliegerschule 2009 über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informierte, wie das Unternehmen am 31. März eingeräumt hatte. Seit Inkrafttreten der neuen Verordnung gab es noch zwei Tauglichkeitsprüfungen beim Co-Piloten - im Sommer 2013 und im Jahr 2014.

Indes trafen In Le Vernet nahe der Unglücksstelle erneut Angehörige ein. Das französische Fernsehen zeigte Bilder von Trauernden an einer provisorischen Gedenkstätte in dem kleinen Ort. Angehörige wurden - wie immer seit dem Absturz am 24. März - von der Polizei abgeschirmt und geschützt. Auch die Bergungsarbeiten in den französischen Alpen gehen weiter. Einsatzkräfte suchen an der schwer zugänglichen Stelle weiter nach Flugzeugteilen und persönlichen Gegenständen der Toten.

Zweiter Flugschreiber bestätigt erste Ermittlungen

Ermittlungen verfestigen Stück für Stück den Verdacht gegen den Copiloten. In Paris ausgewertete Daten des zweiten Flugschreibers zeigen, dass der 27-Jährige die Maschine bei dem von ihm eingeleiteten Sinkflug sogar noch beschleunigte. Die französische Untersuchungsbehörde Bea kündigte weitere Analysen der Blackbox an. Der Autopilot war laut Bea im Cockpit so eingestellt worden, dass die Maschine auf etwa 30 Meter hinuntergeht. Schon seit Auswertung der ersten Blackbox - des Sprachrekorders, den man noch am Unglückstag fand - wird der Copilot verdächtigt, den Piloten mit Absicht aus dem Cockpit ausgesperrt zu haben.

Die Düsseldorfer Ermittler hatten zuvor mitgeteilt, der Copilot habe sich kurz vor dem Todesflug mit seinem Computer über "Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung" sowie Sicherheitsvorkehrungen bei Cockpit-Türen informiert. Fachleute der Luftfahrtbranche wollen nach Ostern beraten, ob die Technik der Cockpit-Tür geändert werden soll. Auch die Einführung einer Ausweispflicht an Flughäfen wird debattiert, weil die Passagierlisten derzeit nicht genau genug sind. Geprüft werden sollen auch medizinische und psychologische Checks, mit denen die Flugtauglichkeit von Piloten festgestellt wird.