Germanwings-Absturz: Andreas L. war am Unglückstag krankgeschrieben und hätte nicht fliegen dürfen

09. April 2015 - 15:34 Uhr

Ermittler finden zerrissenes Attest in L.'s Wohnung

Der Todes-Pilot hätte gar nicht fliegen dürfen – dies hat er aber niemandem gesagt. Andreas L. hat nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung verheimlicht. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf fand in der Wohnung des 27-Jährigen eine zerrissene Krankschreibung für den Absturztag. Weder sei ein Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben gefunden worden. Und die Uniklinik teilte mit, der Mann sei nicht wegen Depressionen im Krankenhaus gewesen.

Todes-Pilot war am Absturztag krankgeschrieben
149 Menschen verloren beim Absturz des Airbus in den französischen Alpen neben Andreas L. ihr Leben.
© dpa bildfunk

Wörtlich heißt es in der Erklärung, in L.'s Wohnung seien "Dokumente medizinischen Inhalts sichergestellt" worden, die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinwiesen. "Der Umstand, dass dabei u.a. zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen gefunden wurden, stützt nach vorläufiger Bewertung die Annahme, dass der Verstorbene seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat."

Germanwings lag nach eigenen Angaben keine Krankschreibung des Copiloten vor. Wenn der Mann die Krankschreibung nicht von sich aus beim Arbeitgeber eingereicht habe, habe man davon keine Kenntnis bekommen können, sagte ein Sprecher. Das sei wie bei anderen Berufen auch.

Die Ermittlungsbehörden hatten die Wohnungen des Mannes in Düsseldorf und in Montabaur durchsucht. Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund des Geschehens seien dabei nicht gefunden worden.

Uniklinik Düsseldorf: Copilot nicht wegen Depressionen im Krankenhaus

Die Düsseldorfer Wohnung war etwa vier Stunden lang durchsucht worden. Danach verließen Beamte mit Umzugkartons das Haus am Stadtrand. Grundlage der Durchsuchung war ein Ersuchen der französischen Justiz. Auch das Elternhaus des Piloten im rheinland-pfälzischen Montabaur wurde von Polizisten durchsucht.

Der Copilot hat nach Erkenntnisse der französischen Staatsanwaltschaft, basierend auf der Auswertung des Stimmrekorders, die Germanwings-Maschine mit weiteren 149 Menschen an Bord vorsätzlich zum Absturz gebracht.

Bisher unbestätigten Medienberichten zufolge soll es Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes geben. L. habe seine Piloten-Ausbildung zwischenzeitlich wegen einer Depression unterbrochen.

Die Universitätsklinik Düsseldorf bestätigte, dass der Mann Patient in dem Krankenhaus gewesen sei - allerdings nicht wegen Depressionen. Zu eventuellen Krankheiten des Copiloten machte auch die Klinik keine Angaben. Erstmals sei er im Februar dieses Jahres und zuletzt am 10. März im Uni-Klinikum gewesen. Es sei um "diagnostische Abklärungen" gegangen.