#germanforrefugees – Sprachlern-Apps helfen Flüchtlingen beim Deutschlernen

busuu
Die Macher der Sprachlern-App 'busuu' und der 'ICOON'-Bilderwörterbücher wollen Flüchtlinge schon vor oder direkt nach ihrer Ankunft bei der Verständigung helfen.

Von Johanna Grewer

Die Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, stehen vor der großen Herausforderung, sich in unserer Gesellschaft zu integrieren. Dafür müssen sie so schnell wie möglich Deutsch lernen. Doch wer als Asylsuchender in der Bundesrepublik ankommt, muss erst einmal warten. Bis der Asylantrag bearbeitet wurde, vergehen Monate. Und Anrecht auf einen Deutschkurs haben nur diejenigen, die nach der Prüfung des Antrags einen Aufenthaltstitel erhalten haben.

Zwar sollen noch bis Ende des Jahres zusätzliche Mittel für Sprachkurse bereitgestellt werden, sodass auch Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive Deutsch lernen können während sie auf die Bearbeitung ihres Asylantrages warten. Trotzdem vergeht viel Zeit, bis die Menschen sich rudimentär verständigen können. Zwei Start-Ups wollen nun Abhilfe schaffen und Flüchtlingen schnell und unkompliziert helfen. Die Macher der Sprachlern-App 'busuu' und der 'ICOON'-Bilderwörterbücher haben sich zusammengetan und die Initiative #germanforrefugees gegründet.

Sie wollen Flüchtlinge schon vor oder direkt nach ihrer Ankunft bei der Verständigung mit den Helfern an Grenzübergängen oder in Erstaufnahmestellen unterstützen. Dazu haben die Initiatoren eine kostenlose Version der App 'busuu' bereitgestellt, die arabischsprechende Nutzer mit einem Code freischalten können. Damit erhalten sie Zugang zu über 200 Lerneinheiten, die beispielsweise Themenbereiche wie "Im Supermarkt" oder "Beim Arzt" abdecken.

"Integration beginnt mit der Sprache"

"Grundbedingung für eine gelingende Integration ist der Erwerb der deutschen Sprache", schreibt die Bundesagentur für Arbeit in einer Pressemitteilung von September. Auch die Macher von 'ICOON' meinen: "Integration beginnt mit der Sprache". Darum will das Unternehmen bei der rudimentären Verständigung helfen und hat bereits viele kostenlose'ICOON'-Bilderwörterbücher gespendet. Die Bücher enthalten Piktogramme und Bilder, die thematisch geordnet sind, sodass man damit einfach zeigen kann, was man braucht.

Bereits 2.000 kostenlose Exemplare wurden verteilt. "In letzter Zeit bekamen wir viele Anfragen von Hilfsorganisationen, die in ihrer (Kommunikations-)Not unser 2007 für Touristen konzipiertes Buch 'ICOON' kostenfrei an Flüchtlinge verteilen wollten", schreibt das kleine Unternehmen auf der Crowdfunding-Plattform 'Startnext'. Neben den Wörterbüchern wurden auch Zehntausende Flugblätter mit den wichtigsten Symbolen als erste Kommunikationshilfe verteilt.

Da sich das Start-Up weitere Bücherspenden nicht leisten kann, wurde nun ein Crowdfunding-Aufruf gestartet. Mit dem gesammelten Geld soll nicht nur in Zusammenarbeit mit dem 'Deutschen Roten Kreuz' und anderen Hilfsorganisationen ein Bilderwörterbuch entwickelt werden, dass speziell auf die Bedürfnisse von Flüchtlingen abgestimmt ist, sondern die Macher von 'ICOON' wollen auch eine passende App für Android-Geräte programmieren.

"Unser Ziel ist klar: Für jeden Euro können wir ein Buch inklusive einer kostenlosen App für Android den Flüchtlingen und Flüchtlingshelfern zur Verfügung stellen", erklärt Gosia Warrink von 'ICOON'. "Die gespendeten Bücher werden an private und öffentliche Hilfsorganisationen, Flüchtlingsheime und Notaufnahme-Einrichtungen in Deutschland und Europa versendet", erklärt die Autorin und Designerin der Bilderwörterbücher.

Das Projekt #germanforrefugees zeigt sogar schon erste Erfolge. Allein in den ersten zwei Wochen der Crowdfunding-Aktion kamen rund 8.000 Euro an Spenden zusammen. "Wir sind überwältigt über das tolle Feedback und die vielen vorwiegend privaten Unterstützer", so Warrink. Auch die Sprachlern-App kommt offenbar gut an.

"Das Angebot wurde bisher exzellent angenommen und hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Wir gehen davon aus, dass derzeit pro Tag ca. 4.000 Flüchtlinge bei 'busuu' Deutsch oder Englisch lernen", erzählt Bernhard Niesner von 'busuu'. Allein in Syrien würden täglich etwa 1.000 Menschen auf die App zugreifen. Und das, obwohl das Unternehmen kaum Werbung für die App gemacht hat. "Das Angebot scheint sich relativ schnell bei den Flüchtlingen rumzusprechen", berichtet Niesner. "Wir sehen, dass unser Traffic auch in Ländern der Flüchtlingsroute wie zum Beispiel der Türkei oder im Libanon angestiegen ist."

Die beiden Start-Ups haben sich zusammen getan, um "unkompliziert und flächendeckend" zu helfen, erklärt der Initiator von #germanforrefugees, Karsten Warrink. "Ich bin sehr glücklich, dass wir so schnell etwas auf die Beine stellen konnten." Auch Gosia Warrink ist von dem Projekt überzeugt: "Gemeinsam kann man einfach sehr viel mehr bewegen und mehr Menschen den Zugang zu Sprache ermöglichen."

Und die Nutzer geben Ihnen Recht. Bei Bernhard Niesner haben sich schon einige Flüchtlinge gemeldet, um sich persönlich für das Engagement zu bedanken. "Mein Name ist Omar Alshatta, ich bin 23 Jahre alt und ein syrischer Flüchtling in Deutschland. Ich schicke Ihnen diese Nachricht, um mich für diese fantastische App zu bedanken, und auch für Ihre Hilfe für Flüchtlinge, dass diese Englisch und Deutsch lernen können", schrieb ihm kürzlich ein User auf Englisch.