Üble Zustände in US-Auffanglagern

Gerichtsurteil: Migranten-Kinder müssen Seife und Zahnpasta bekommen

© dpa, David J. Phillip, DP

16. August 2019 - 14:22 Uhr

Experten sind entsetzt

In den Auffanglagern an der US-Grenze herrschen vielfach grauenvolle Bedingungen, es fehlt an grundsätzlichen Dingen. Ein Bundesgericht in San Francisco stärkt jetzt zumindest die Situation von Kindern und urteilt, dass sie ein Anrecht auf Sauberkeit haben.

Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung oder Nahrung fehlt

Kinder im Auffanglager an der Grenze zwischen den USA und Mexiko.
Kinder im Auffanglager an der US-mexikanischen-Grenze.
© APTN

Sie kommen oft aus Mittelamerika, aus kleinen Ländern wie Honduras, El Salvador oder Guatemala. Jetzt leben die Migrantenkinder am Ziel ihrer Träume, in den USA - doch für viele dürfte sich das neue Leben wie ein Albtraum anfühlen. Die Zustände in den Auffanglagern der Vereinigten Staaten sind fast schlimmer als in der Heimat.

Michelle Bachelet kann das kaum glauben. Sie war einst Präsidentin des südamerikanischen Landes Chile und ist jetzt Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen. Sie sei entsetzt, "dass Kinder gezwungen sind, in überfüllten Einrichtungen auf dem Boden zu schlafen, ohne Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung oder Nahrung und unter schlechten sanitären Bedingungen", sagte die gelernte Kinderärztin und Mutter schon vor einigen Wochen.

Richter widersprechen der US-Regierung "mit Nachdruck"

Ein Bundesgericht in San Francisco springt den Kindern nun bei. Es urteilt, dass sie ein Anrecht auf Sauberkeit haben. Es stellte jetzt klar, dass die Kinder in US-Auffanglagern Seife, Zahnpasta und saubere Bettwäsche bekommen müssen. Die Kinder müssten genug zu essen und sauberes Wasser zum Trinken bekommen. Sie müssten in sauberen Einrichtungen mit Badezimmern untergebracht sein, "Seife und Zahnpasta" haben und ausreichend schlafen können.

Die drei Richter wiesen damit einen Einspruch des Heimatschutzministeriums gegen ein Urteil aus erster Instanz zurück. Das Ministerium hatte argumentiert, ein Gesetz aus dem Jahr 1997 über eine "sichere und hygienische" Unterbringung schreibe nicht genau vor, mit welchen Artikeln Migrantenkinder versorgt werden müssten. Die Richter widersprachen dieser Auslegung nun "mit Nachdruck".

Trump will die Grenze dichtmachen

Grenze USA-Mexiko Foto: Daniel Ochoa De Olza/AP
Gelobtes Land? Ein Migrant aus Honduras schaut vom Grenzzaun aus auf die US-Seite in Richtung San Diego.
© deutsche presse agentur

Die US-Behörden sind mit der großen Zahl zentralamerikanischer Migranten überfordert, die in die USA gelangen wollen. In den vergangenen Monaten sorgten die Zustände in US-Auffanglagern an der Grenze zu Mexiko wiederholt für Empörung. Gerade weil Präsident Donald Trump die Grenze dicht machen will, versuchten es zuletzt besonders viele, noch hinüberzugelangen, bevor sich die Tore schließen.