Urteil gegen Emir von Dubai

Eigene Kinder entführt und Prinzessin Haya bedroht

Prinzessin Haya und ihr damaliger Mann, Scheich Mohammed, beim Pferderennen in Ascot im Sommer 2010.
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05. März 2020 - 19:27 Uhr

Oberster Gerichtshof in London erhebt schwere Vorwürfe gegen Scheich Mohammed

Der Emir von Dubai hat vor dem höchsten Gericht in Großbritannien eine schwere Niederlage erlitten. Gegen seinen Willen wurden am Donnerstag Details aus dem spektakulären Sorgerechtsstreit mit seiner Ex-Frau, Prinzessin Haya, veröffentlicht. Das Gericht wirft ihm schwere Verbrechen wie Entführung und Folter vor.

Zwei Töchter entführt und gefoltert

Der Oberste Gerichtshof sieht es als erwiesen an, dass der Emir für die Entführung und Folter seiner Tochter Latifa verantwortlich ist. Sie hatte 2002 und 2018 versucht, aus Dubai zu fliehen. Nach dem ersten Versuch landete sie drei Jahre im Gefängnis. Vor zwei Jahren war ihre Flucht fast geglückt. Vor der indischen Küste wurde ihr Boot dann gekapert und Latifa musste in den Hausarrest in Dubai. Dort wurde sie nach Überzeugung des Gerichts auch gefoltert.

Im Video sehen Sie die schweren Anschuldigungen von Prinzessin Latifa.

Ihre Schwester Shamsa hatte bereits im Jahr 2000 versucht aus dem Anwesen des Scheichs im britischen Surrey zu fliehen. Agenten es Herrschers von Dubai fingen sie ein, betäubten sie und brachten sie zurück in die Arabischen Emirate. Offenbar wird sie bis heute dort gefangen gehalten.

Beide Töchter sollten offenbar zwangsverheiratet werden.

Prinzessin Haya floh 2019 nach London

Die 45-jährige Prinzessin Haya ist die sechste und jüngste Ehefrau des Emirs. Die beiden heirateten 2004 und haben zwei Kinder - sieben und elf Jahre alt. Nach eigenen Angaben hatte Haya die Version ihres Mannes zum Schicksal seiner beiden Töchter jahrelang geglaubt. Er hatte ihr versichert, dass Latifa und Shamsa in Sicherheit seien und an den Vorwürfen nichts dran sei.

Erst Anfang 2019 äußerte sie Zweifel. Daraufhin soll Scheich Mohammed (70) sie systematisch bedroht haben. In einem Fall ist von einer entsicherten Waffe unter Hayas Kopfkissen die Rede.

Im April 2019 floh Prinzessin Haya mit ihren beiden Kindern nach Großbritannien und beantragte Schutz sowie das Sorgerecht.

FILE PHOTO: Dubai ruler Sheikh Mohammed bin Rashid al-Maktoum arrives for Ladies Day, the third day of racing at Royal Ascot in southern England June 16, 2011.  REUTERS/Suzanne Plunkett/File Photo
Scheich Mohammed hat gute Verbindungen nach Großbritannien - auch wegen seiner Leidenschaft für Pferderennen.
© REUTERS, Suzanne Plunkett, SP/ch/FW1F/Alexandra Hudson/FW1/

Emir von Dubai wollte Veröffentlichung verhindern

Während des achtmonatigen Prozesses hatte Scheich Mohammes seine Frau teilweise auch öffentlich bedroht. Unter anderem auf seinem Social Media-Account mit den Worten: "Du lebst, Du stirbst". Das Gericht in London sieht es als erwiesen an, dass er außerdem eine gezielte Medienkampagne gegen Prinzessin Haya initiierte.

Gegen die Veröffentlichung der Details hatte er erfolglos Berufung eingelegt.

Die Vorwürfe haben keine direkten rechtlichen Auswirkungen. Als Emir von Dubai genießt der Scheich Immunität vor Strafverfolgung. Ob seine Ex-Frau das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen bekommen hat, ist nicht öffentlich geworden.

Dass die Details aber gegen seinen Willen offiziell verkündet wurden, wird als schwerer Gesichtsverlust bewertet. Der Scheich gilt als Freund der Queen und ihm wird die Öffnung Dubais als Tourismus- und Geschäftsstandort zugesprochen.

Menschenrechtsgruppen begrüßen Entwicklung

Die Veröffentlichungen vom Donnerstag sorgen für Zustimmung bei Menschenrechts-Organisationen. Die Kampagne "Free Latifa" spricht von einer großen Erleichterung für Prinzessin Haya und ihre Kinder. "Sie können ihre Kindheit jetzt ohne die bösartige Präsenz ihres Vaters fortsetzen", heißt es in einer Mitteilung.

Weiter werden die Vereinten Nationen aufgefordert, sich für die Freilassung von Latifa einzusetzen. "Free Latifa" verlangt unter anderem von Queen Elisabeth, sich für ein Ende des "brutalen, korrupten und menschenrechtsverletztenden Regimes" einzusetzen.