Gerhard Schröder: Der wichtigste westliche Putin-Verbündete - und ein Problem für die SPD?

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19. März 2018 - 12:58 Uhr

'Wall Street Journal' bringt Sanktionen gegen Schröder ins Spiel

Wladimir Putin wird mindestens die kommenden sechs Jahre die Geschicke Russlands leiten. In der jüngeren Vergangenheit hat der frisch gewählte Präsident des größten Landes der Welt sich mehr und mehr vom Westen abgewandt. Viele Kritiker sehen sogar schon einen neuen 'Kalten Krieg'. Dieser werde durch Hackerangriffe geführt, mit hohen Gaspreisen, mit der Unterstützung von Baschar al-Assad im Syrien-Krieg und zuletzt womöglich sogar durch gezielte Mordanschläge von russischen Überläufern in Großbritannien. Das isoliert Putin im Westen mehr und mehr. Doch auf die Freundschaft eines Mannes kann der Kreml-Herrscher zählen: Es ist Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD).

"Propagandist von Putin"

In einem vielbeachteten Artikel wunderte sich das renommierte 'Wall Street Journal' zuletzt, dass Schröder seine Freundschaft zu Putin so offenherzig ausleben kann. Der ehemalige SPD-Kanzler sitzt im Aufsichtsrat von 'Rosneft', einem Öl-Konzert, der mehrheitlich dem russischen Staat gehört. Schröder half dabei, die umstrittenen Gaspipelines Nordstream 1 und 2 zu verwirklichen.

'Rosneft'-Chef Igor Setschin zum Beispiel ist mit Sanktionen belegt, er darf nicht in die USA einreisen. Schröder steht auf keiner Sanktionsliste. Immerhin gilt Putins Duzfreund aber als wichtigster westlicher Verbündeter des russischen Präsidenten.

Sozialdemokraten tun sich noch schwer

Das schmeckt natürlich auch Teilen der SPD nicht. Der bricht gerade ein Großteil ihrer Basis weg und die Nähe des Ex-Chefs zum russischen Präsidenten finden sicher nicht alle Deutschen gut. Doch noch tun sich die Sozialdemokraten schwer, auf den Altkanzler einzuwirken.

Cem Özdemir von den Grünen hingegen forderte bereits Konsequenzen: "Ein Ex-Kanzler hat auf der Payroll eines autoritären Herrschers nichts verloren", sagte er der 'Bild'-Zeitung und nannte Schröder einen "Propagandisten von Putin".

Der ukrainische Außenminister Pavlo Klimkin forderte Sanktionen gegen Schröder. Vorsichtig äußerte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu dieser Anregung. Man könne dies "nach einschlägiger Prüfung mit großer Vorsicht erwägen", sagte von der Leyen auf eine entsprechende Frage. Am ehesten könne man Putin mit Wirtschaftssanktionen treffen. "Ich finde es ganz entscheidend, dass wir uns nicht auf das Niveau einlassen, das Wladimir Putin versucht vorzugeben."