Gerangel um Linken-Spitze: Nun soll Wagenknecht kandidieren

Nach Lafontaines Rückzug aus dem Machtkampf um die Parteispitze ist nun dessen Lebensgefährtin Wagenknecht im Gespräch.
© dpa, Hannibal Hanschke

03. Juni 2012 - 14:50 Uhr

Lafontaine fordert Generationswechsel

Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaines aus dem Machtkampf der Linken ist nun dessen Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht als Parteichefin im Gespräch. Der jetzige Parteivorsitzende Klaus Ernst sprach sich für eine Kandidatur der 42-Jährigen aus. Wagenknecht selbst äußerte sich zurückhaltend, schloss aber eine Kandidatur auch nicht aus: "Ich hoffe, dass diese Variante nicht notwendig sein wird, und wir trotzdem eine gute Lösung finden."

Der frühere Parteivorsitzende Lafontaine sagte in einem TV-Gespräch, über die Eignung Wagenknechts für den Parteivorsitz müssten andere urteilen. Er fügte aber hinzu: "Ich habe den Eindruck, dass sie nicht so schlecht beurteilt wird." Der 68-jährige Saarländer forderte, dass es nun einen Generationswechsel an der Parteispitze geben müsse.

Lafontaine hatte am Dienstag das Machtgerangel mit seinem Rivalen Dietmar Bartsch beendet und seinen Verzicht auf eine Kandidatur erklärt. Am Tag darauf warfen Parteivize Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landeschefin Katharina Schwabedissen ihre Hüte in den Ring.

Die Idee einer weiblichen Doppelspitze erhielt viel Zustimmung und wurde auch von Ernst unterstützt. Einen der beiden Posten sollte seiner Meinung nach aber Wagenknecht bekommen, sagte der Linken-Chef der 'Süddeutschen Zeitung'. "Sie hat Ausstrahlung weit über die Partei hinaus. Ich halte sie für besonders geeignet als Vorsitzende."

Acht Kandidaten für Parteivorsitz

Auch aus Niedersachsen und Baden-Württemberg kam Unterstützung für Wagenknecht. Der niedersächsische Fraktionschef Hans-Henning Adler schlug als Doppelspitze Wagenknecht und den thüringischen Fraktionschef Bodo Ramelow vor.

Wagenknecht äußerte sich nicht eindeutig zu ihren Plänen. Der 'Bild'-Zeitung sagte sie: "Wir brauchen eine neue Führung, die die gesamte Linke und den Kurs des Parteiprogramms verkörpert. Wir müssen wieder angriffslustig werden und unsere Attacke auf den politischen Gegner lenken statt auf uns selbst." In einem TV-Gespräch erklärte Wagenknecht, sie finde "jetzt eigentlich die Vorstellung sehr charmant, dass wir eine weibliche Doppelspitze bekommen".

Insgesamt lagen dem Parteivorstand am Mittwochabend acht Kandidaturen vor. Neben Bartsch, Schwabedissen, Kipping und der sächsischen Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann haben sich vier weitgehend unbekannte Männer beworben.

Lafontaine äußerte sich bei in dem TV-Gespräch erstmals nach seinem Rückzug aus dem Machtkampf. "Ich weiß, dass viele Menschen enttäuscht sind", sagte er. "Aber auf der anderen Seite bin ich selbst etwas erleichtert, dass ich diese Bürde nicht mehr in den nächsten beiden Jahren tragen muss." Er habe sich nicht in einen "Hahnenkampf" begeben wollen.