25. Februar 2019 - 11:51 Uhr

Von Jonas Klee

Es war der Aufreger vor dem Europa-League-Kracher zwischen Eintracht Frankfurt und Schachtjor Donezk (4:1): Weil die Polizei die Kurve durchsuchte und ein beleidigendes Plakat gegen Hessens Innenminister Peter Beuth aus dem Eintracht-Fanblock entfernte, ließen die SGE-Anhänger kurzerhand die geplante Mega-Choreographie platzen. Am Tag danach verteidigte Beuth den Polizei-Einsatz - und kritisierte die Frankfurter Vereinsführung. Die schoss zurück.

Polizei-Einsatz als "Gefahrenabwehrmaßnahmen"?

Es war ein äußerst brisantes TV-Interview, das Eintracht-Präsident Peter Fischer im Vorfeld der Partie gegeben hatte. "Wenn ich sage, dass das Stadion morgen brennt, dann brennt das morgen. Und zwar so, dass ihr kaputt geht, weil ihr so viel Licht habt und das Spiel für euch etwas neblig wird", forderte Fischer in Richtung der SGE-Fans - mit weitreichenden Folgen.

Denn Hessens Innenminister Beuth nahm Fischers Äußerung zum Anlass, um "Gefahrenabwehrmaßnahmen" einzuleiten. Durch einen Beschluss des Amtsgerichts in Frankfurt führte die Polizei im Stadion Kontrollen durch. Auf der Suche nach Pyro-Technik wurden Toiletten und auch die Kurve durchsucht. Fündig wurde die Polizei nicht. Stattdessen beschlagnahmte die Polizei ein Banner mit der Aufschrift: "Beuth, der F***** f**** zurück" (Beuth hatte sich für härtere Strafen bei Pyro-Vergehen ausgesprochen: "Wer im Stadion zündelt, geht in den Knast."). Die Eintracht-Fans ließen die geplante Mega-Choreo daraufhin aus Protest sausen.

„Drastische Maßnahme"

Der hessische Innenminister Peter Beuth und der hessische Landespolizeipräsident Udo Münch
Der hessische Innenminister Peter Beuth und der hessische Landespolizeipräsident Udo Münch
© dpa, Boris Roessler, brx gfh rho

Eintracht-Sportvorstand Axel Hellmann nahm seinen Präsidenten für dessen Äußerung in Schutz: "Das bezog sich auf das Sportliche und die Stimmung und war keinesfalls ein Aufruf zu Gewalt." Den Polizei-Einsatz bezeichnete er als "drastische Maßnahme, die ich für rechtsstaatlich bedenklich halte".

Beuth wiederum verteidigte den Polizei-Einsatz: "Die hessische Polizei lässt sich weder von Fußballvereinen noch von vermeintlichen Fans diktieren, wie sie die Sicherheit der Bürger gewährleistet." Kein gutes Haar ließ er auch an Fischer und dessen "höchstproblematischer Äußerung". "Ich habe kein Verständnis für die Worte der Eintracht-Führung, sowohl im Vorfeld des Euro-League-Spiels von gestern wie auch im Nachhinein. Die Maßnahmen, die die Polizei durchgeführt hat, waren notwendig und angemessen."

Frankfurt kündigt anwaltliche Untersuchung an

Eintracht-Präsident Peter Fischer
Eintracht-Präsident Peter Fischer
© dpa, Frank Rumpenhorst, lof kno rho

In einer Stellungnahme kündigte die Eintracht an, dass sie die Vorgänge aus dem Stadion juristisch untersuchen lassen will: "Man war seitens der Sicherheitsorgane offenkundig nicht an der Beurteilung der Sachlage durch Eintracht Frankfurt interessiert, sondern wollte ein Zeichen setzen. (...) Die gestrigen Maßnahmen dienten nicht der Gefahrenabwehr, sondern sollten offenkundig sicherheitspolitischen Symbolcharakter entfalten und waren in diesem Sinne weder geeignet, noch erforderlich, noch verhältnismäßig." Auch Beuth bekam sein Fett weg: "Die abwegigen Vorwürfe des Innenministers in Richtung der Verantwortungsträger von Eintracht Frankfurt, die nun zur Rechtfertigung der gestrigen polizeilichen Handelns herangezogen werden, belegen in bedrückender Weise, dass es gestern objektiv und zuvorderst nicht um Fragen der Sicherheit ging."

Der Frankfurt-Zoff geht in die nächste Runde. Im Achtelfinale der Europa League trifft die Eintracht auf Inter Mailand. Vielleicht unternehmen die SGE-Fans dann in Sachen 'Mega-Choreo' einen neuen Versuch.