Georgien hat keine Chance - und genau die wollen sie nutzen

11. Oktober 2015 - 16:25 Uhr

Wir sind zwar krasser Außenseiter, aber genau hier liegt unsere Chance - so lautet die Devise der georgischen Auswahl vor dem EM-Qualifikationsspiel in Leipzig gegen die DFB-Elf. "Für uns ist es das leichteste Spiel, denn wir haben nichts zu verlieren", sagte Georgiens neuer Verbands-Präsident Lewan Kobiaschwili am Morgen des Duells im Teamhotel des Underdogs im exklusiven RTL-Interview.

Zwar sei man sich bewusst, dass die DFB-Elf der klare Favorit ist. Aber: "Ich glaube, dass wir in den 90 Minuten auch unsere Chancen bekommen werden. Es ist nur die Frage, ob wir sie auch nutzen oder nicht", so Kobiaschwili. Falls "Wenn wir defensiv kompakt stehen, gut verschieben und eine der Chancen nutzen, dann können wir vielleicht einen Punkt mitnehmen oder sogar gewinnen. Es wird natürlich nicht leicht. Mein Gott, es ist Fußball - da kann alles passieren."

Für RTL-Kommentator Marco Hagemann, der sich sowohl mit dem ehemaligen Freiburg, Schalke- und Hertha-Profi als auch Nationaltrainer Kachaber Zchadadse unterhalten hat, sollte man die Georgier nicht komplett unterschätzen. "Viele Spieler sind im Ausland aktiv, zwar nicht in den ganz großen Ligen, aber vor allem Guram Kashia und Valeri Qazaishvili von Vitesse Arnheim sind gut drauf."

Ein Problem Georgier, 110. der FIFA-Weltrangliste, ist die fehlende Anerkennung in der Heimat. Superstars wie ein Kacha Kaladse, der zwischen 2001 und 2010 für den AC Mailand spielte, gibt es längst nicht mehr. "Der Fußball ist mittlerweile ein bisschen in den Hintergrund gerückt. Der Glaube ist nicht mehr ganz da", weiß auch Hagemann, der nach dem Gespräch mit Kobiaschwili berichtet: "Manchmal kommen mehr Zuschauer zum Training eines Bundesligisten wie Schalke als zu Liga-Spielen in Georgien - obwohl der Eintritt meist frei ist."

Im Verband fehlen professionelle Strukturen, Nachwuchszentren wie zum Beispiel beim DFB sucht man auch vergebens. "Das ist so etwas wie Unterricht heute Abend", sagt deshalb auch Nationaltrainer Zachadse, dem Hagemann das Understatement nicht ganz abnehmen will: "Gehen die Georgier nur in die Deckung, oder hat der Underdog einen ganz anderen Plan?"

Die Antwort gibt es heute Abend, wenn das Spiel zwischen der DFB-Elf und Georgien um 20.45 Uhr angepfiffen wird. RTL berichtet ab 20.00 Uhr live aus Leipzig.