Whistleblowerin: „Er ist der Uterus-Sammler“

Georgia: Frauen im Lager ohne ihr Wissen sterilisiert?

Im privat geführten Internierungslager Irwin County Detention Center im US-Bundesstaat Georgia sind Asylsuchende untergebracht, die von Zentral- und Südamerika illegal in die USA gekommen sind. (Symbolfoto)
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16. September 2020 - 14:13 Uhr

Ärzte entfernten Flüchtlingen die Gebärmutter

In einem Internierungslager im US-Bundesstaat Georgia sollen Ärzte Flüchtlingen aus Zentral- und Südamerika die Gebärmutter entfernen, ohne dass sie es merken. Jetzt erhebt eine Krankenschwester schwere Vorwürfe.

Wie ein "experimentelles Konzentrationslager"

Im privaten Irwin County Detention Center in Georgia kommen Menschen unter, die aus Zentral- und Südamerika geflüchtet sind. In dem Internierungslager arbeitete auch Dawn Wooten drei Jahre lang. Jetzt erhebt die Krankenschwester nach ihren Erlebnissen schwere Vorwürfe. Mithilfe von Menschenrechtsaktivisten reichte sie eine 27 Seiten lange Klage gegen das Lager ein. Die Ärzte, die in dem Lager arbeiten, würden den Migranten überdurchschnittlich oft die Gebärmutter teils- oder vollständig entfernen. Die spanischsprachigen Einwanderer schienen nicht zu verstehen, wieso sie sich dem Eingriff unterziehen mussten – und vor allem, was mit ihrem Körper gemacht wird. Zuvor sollen die Frauen über starke Menstruationsschmerzen geklagt haben.

Krankenschwester sollen die Zustimmung der Patientinnen bekommen haben, in dem sie einfach alles auf Spanisch googelten. "Er nahm den Eingriff bei all seinen Patientin vor. Das ist seine Spezialität. Er ist der Uterus-Sammler.", so Wooten in der Klage, die der BBC vorliegt. Nach den Vorwürfen der Krankenschwester gingen Menschenrechtsaktivisten dorthin und interviewten dort Insassinnen. Eine Frau soll während des Eingriffs nicht richtig betäubt worden sein, der Arzt habe ihr aus Versehen den falschen Eierstock entfernt, so dass sie keine Kinder mehr bekommen könne. Einer weiteren Frau sollte wohl eine Zyste entfernt werden, stattdessen operierte man ihr die Gebärmutter heraus. "Als ich all diese Frauen traf, die operiert worden waren, dachte ich, das wäre wie ein experimentelles Konzentrationslager. Es war, als würden sie mit unseren Körpern experimentieren ", sagte ein Häftling der Beschwerde zufolge.

Einwanderer nicht rechtzeitig auf Covid-19 getestet

Die Gesundheits- und Sicherheitsstandards wurden nicht eingehalten. In der Corona-Pandemie soll sich die Lage dort sogar noch verschlechtert haben. Die Einrichtung habe sich geweigert, inhaftierte Einwanderer rechtzeitig auf Covid-19 zu testen, viele positive Tests verschwieg das Lager wohl. Damit es außerhalb des Lagers niemand mitbekommt, würden Patientendokumente gefälscht, so Wooten. Am Coronavirus erkrankte Menschen würden nicht isoliert, Social Distancing habe es dort gar nicht gegeben. Testgeräte, die vom Staat für jeweils 14.000 US-Dollar angeschafft worden sein sollen, blieben wohl ungenutzt. Den Mitarbeitern wurde nicht gezeigt, wie man die Geräte benutzt, so Wooten, "Ich habe sie nur einmal in Betrieb gesehen".

Die Anschuldigungen der Krankenschwester scheinen nicht neu zu sein. "Aktivisten klagen seit Jahren Menschenrechtsverletzungen innerhalb des Irwin County Detention Center an", sagte eine Aktivistin gegenüber BBC. "Die Aussagen von Frau Wooten bestätigen, worüber internierte Migrantinnen seit Jahren berichten.

Zu den Anschuldigungen wollte sich das Internierungslager laut einiger US-Medien nicht äußern. Dort sollen sich laut der Website bis zu 1201 Personen befinden. Bob Trammell, ein Vertreter des US-Bundestaates Georgia forderte, den Verantwortlichen so lange die Zulassung zu entziehen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.