George Foreman warnt Joshua: Schreib' niemals einen Veteranen wie Klitschko ab!

1. Februar 2017 - 14:06 Uhr

Von Martin Armbruster

Anthony Joshua gegen Wladimir Klitschko: Der Kampf um die Schwergewichts-Krone am 29. April in London (live bei RTL) lässt sich vor allem mit einer Metapher beschreiben. Joshua, der vor Kraft nur so strotzende junge Löwe und Klitschko, das bereits leicht ergraute, langjährige Alphatier der schweren Jungs, kämpfen um die Vorherrschaft in der Faustkampf-Königsklasse. Ein Revier, das der bald 41-jährige Klitschko fast eine Dekade unangefochten regiert hatte, bis an einem November-Abend im Jahr 2015 ein verrückt um sich brüllender Löwe namens Tyson Fury dahergelaufen kam, und den König entthronte.

Joshua gegen Klitschko für viele Favorit

Nach dem wirren Rückzug Furys ist der Thron des Lion-Kings wieder frei. Der Fight gegen Joshua eröffnet 'Dr. Steelhammer' daher die Chance, erste Teile seines verloren gegangenen Imperiums zurückzuerobern – und zwar in Form der glitzernden Gürtel der Weltverbände WBA, IBF und IBO.

Eine Aufgabe, die alles andere als leicht wird. Nach seiner enttäuschenden Leistung gegen Fury haben nicht wenige Experten Klitschko zum alten Eisen gelegt, bei den Buchmachern und vielen Fans ist der 27-jährige Joshua Favorit. Der IBF-Titelträger hat all seine 18 Profikämpfe durch K.o. gewonnen und gilt vielen Fachleuten als die Zukunft des Schwergewichts. Dem Mann mit der knallharten Rechten trauen sie zu, die Königsklasse – wie einst Klitschko – auf Jahre zu dominieren.

Foreman: "Klitschko ist ein Veteran"

Bildnummer: 01377857  Datum: 05.11.1994  Copyright: imago/Icon SMIGeorge Foreman (li.) gegen Michael Moorer (beide USA) - PUBLICATION ONLY FOR GERMAN, SWISS, AUSTRIAN AND HUNGARIAN MEDIA (Icon5590168); Vdia, hoch Weltmeisterschaft 1994, Boxsport, Pro
George Foreman knockte 1994 Michael Moorer aus und krönte sich mit 45 Jahren zum ältesten Schwergewichts-Champion.
© imago

Auch George Foreman, selbst ein erhabenes Mitglied im Pantheon der Box-Größen, hält Joshua für einen "guten Boxer", warnt aber eindringlich davor, Klitschko abzuschreiben. "Joshua kann ein Champion sein, aber hüte dich vor Veteranen", richtete der 68-Jährige im Interview mit 'Omnisport' mahnende Worte an den Himmelsstürmer aus England. "Klitschko ist ein Veteran. Wenn man beginnt, sie abzuschreiben, wühlen sie ganz tief in ihrem Inneren und bringen dann etwas hervor, das man nicht für möglich gehalten hätte. Ich schreibe Veteranen niemals ab, sie können einen immer überraschen."

Foreman selbst ist das wohl beste Beispiel, warum ein junger Champion einen alten Ring-Fuchs nie auf die leichte Schulter nehmen sollte. Kurz vor seinem 46. Geburtstag schickte 'Big George' im November 1994 den 19 Jahre jüngeren Titelverteidiger Michael Moorer auf die Bretter und krönte sich zum bis heute ältesten Schwergewichts-Champion aller Zeiten – und das 20 Jahre, nachdem er die Krone im legendären 'Rumble in the Jungle' an Muhammad Ali hatte abtreten müssen.

Den Platz des 'Alters-Präsidenten' kann Klitschko mit einem Sieg gegen Joshua zwar (noch) nicht von Foreman übernehmen. Gewinnt er den Mega-Fight im Wembley-Stadion aber, würde er sich in der Veteranen-Liste direkt hinter Foreman einreihen. Mit 41 Jahren wäre Klitschko dann der zweitälteste Schwergewichts-Champion der Geschichte.