Genugtuung für Schlecker-Frauen? Prozess gegen Anton Schlecker beginnt

09. März 2017 - 16:21 Uhr

Was haben die Schlecker-Frauen vom Prozess?

2012 musste die Drogeriemarkt-Kette Schlecker Insolvenz anmelden, mehr als 25.000 Mitarbeiter in Deutschland verloren ihren Job. Vier Jahre hat die Staatsanwaltschaft ermittelt - nun muss Anton Schlecker in Stuttgart vor Gericht. Er soll vor der Insolvenz seiner Drogeriemarkt-Kette rund 26 Millionen Euro beiseite geschafft haben. Auch Frau und Kinder sind angeklagt. Doch was ist bei den Schleckers noch zu holen? Und was sagen die Schlecker-Frauen zu dem Prozess?

Sonja Weisenburger ist seit der Schlecker-Pleite selbständig

Den Prozess verfolgen will sie nicht, sagt Sonja Weisenburger. Denn die ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin hat den Neuanfang geschafft. Notgedrungen - nach 17 Jahren im Unternehmen: "Ich habe an einem Mittwochmorgen erfahren, dass ich gekündigt bin, dass da nichts mehr geht. Da war ich erstmal tief traurig, deprimiert... Ja, und am nächsten Tag habe ich ein Schild gesehen: Laden zu vermieten. Und da habe ich gedacht, das wäre doch vielleicht was."

Und Sonja fackelte nicht lange - sie machte sich selbständig. Mit ihrer eigenen kleinen Drogerie in Maikammer in Rheinland-Pfalz. Doch während sie und die anderen ehemaligen Schleckerfrauen nicht einmal eine kleine Abfindung bekommen haben, sollen die Schleckers noch immer im Luxus leben. "Das ist schon ein bisschen großkotzig, finde ich. Da sieht man, wo das Geld hin verschwunden ist", sagt Sonja Weisenburger.

Im Januar 2012 meldete die Firma Insolvenz an, rund 5.400 Filialen wurden geschlossen. Von der einst größten Drogeriemarktkette Deutschlands ist heute nichts mehr übrig. Außer der schlechte Ruf des ehemaligen Drogeriekönigs. Wirtschaftsethiker Ulf Posé: "Herr Schlecker scheint ein kleiner Diktator gewesen zu sein. Er hat alles, was in seinem Unternehmen passierte, kontrolliert oder kontrollieren lassen, und er hat seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie Sklaven behandelt."

Jetzt ist Firmengründer Anton Schlecker unter anderem wegen vorsätzlichen Bankrotts angeklagt: Das heißt, er soll Millionen beiseite geschafft haben, zum Beispiel durch Schenkungen an seine Familie - obwohl er von der drohenden Pleite wusste. Viele Gläubiger werden auch deshalb vermutlich leer ausgehen. Jetzt drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft.

Sonja Weisenburger hat die Hoffnung auf eine Abfindung zwar aufgegeben. Aber sie findet:
"Im Nachhinein sage ich, hätte mir nichts besseres passieren können. Taschaka!" Denn jetzt ist die ehemalige Schlecker-Frau ihr eigener Chef. Und den mag sie richtig gerne.