2019 M03 14 - 18:46 Uhr

Meldung über genmanipulierte Babys sorgte für Kritik

Dem chinesischen Forscher He Jiankui zufolge sind in China genmanipulierte Zwillinge geboren, die resistent gegen HIV sind. Die Nachricht sorgte weltweit nicht nur aus ethischen, sondern auch aus medizinischen Gründen für Kritik. Wir haben bei dem deutschen Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht nachgefragt, wie riskant diese Forschung am Menschen wirklich ist.

Das Risiko liegt im Verfahren selbst

Für den Allgemeinmediziner besteht das Risiko in der Methode, dem sogenannten "Crispr/Cas"-Verfahren, das die chinesischen Forscher verwendet haben, selbst. "Denn wir wissen nicht, ob wir wirklich nur an einer bestimmten Stelle für Veränderungen sorgen, da wo wir sie beabsichtigen, jetzt in diesem einen Gen, oder ob es nicht sogenannte 'Off-target-Reaktionen' oder -Veränderungen gibt, also an Stellen, wo man eigentlich gar nichts verändern wollte, aber noch Veränderungen eintreten", erklärte er im Interview mit n-tv.

Das Verfahren sei erst 2012 so richtig erkannt worden, was "in der Wissenschaft ja überhaupt kein Zeitraum" ist, so der Experte. Darüber hinaus birgt die Genmanipulation nicht nur ein unbekanntes Risiko für die Zwillinge selbst, sondern auch für ihre Nachkömmlinge. "Diese Veränderungen betreffen ja nicht nur das Individuum, also die beiden Zwillinge, sondern wenn die aufwachsen und eines Tages mal selber Kinder haben werden, werden auch die nachfolgenden Generationen diese Genveränderungen haben, von denen wir nicht wissen, welche Folgen sie haben", so Dr. Specht weiter. 

Rechtfertigt die Risiko-Aufdeckung die Forschung am Menschen?

Auch das Argument, dass Forschungen dazu da sind, solche Risiken zu testen, kann er in diesem Fall kaum nachvollziehen. So erklärte er weiter: "Würden wir alle Fragen schon beantworten können, würden wir sie nicht mehr erforschen, aber es ist natürlich so, dass man wenigstens ein Stück weit schon Gewissheit haben muss, bevor man so einen Versuch startet. Bei dieser Technik wissen wir noch zu wenig, das heißt, es war viel zu früh, das am Menschen durchzuführen, vorher stehen Tierversuche."