"Mein Gedächtnis ist wie ein Sieb!"

Genesen aber nicht gesund! Corona und seine Langzeitfolgen

30. November 2020 - 14:04 Uhr

Milder oder schwerer Verlauf spielt keine Rolle

Wer Corona hatte und wieder genesen ist, ist sicher erst einmal froh. Doch mehrere neue Studien weisen darauf hin, dass etwa jeder Zweite auch Wochen nach der Genesung unter Müdigkeit und Konzentrationsschwäche leidet. Milde Verläufe schneiden dabei nicht besser ab, als schwere. Die Langzeitfolgen reichen von Atemproblemen bis hin zum Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. RTL-Reporterin Tamara Bilic hat eine Langzeitpatientin und deren Ärztin in einer Reha-Klinik in Heiligendamm getroffen. Wie es Ute N. heute – acht Monate nach ihrer Erkrankung – geht, erfahren Sie im Video.

Auch junge Menschen sind betroffen

Die Corona-Statistik unterscheidet offiziell zwischen infizierten, verstorbenen oder geheilten Menschen. Aber was passiert mit denen, die in keine der Gruppen passen? Über eine Million Infektionen wurden in Deutschland seit Beginn der Pandemie gemeldet, mehr als 16 000 Todesfälle, offiziell sind über 700 000 Menschen wieder genesen. Doch im Schatten dieser Zahlen wächst offenbar eine Gruppe von Menschen, die alles andere als gesund sind.

Vor allem anhaltende Müdigkeit scheint für viele Menschen nach überstandener Covid-19-Erkrankung ein Problem zu sein. In einer kleinen Studie mit knapp 130 Teilnehmern klagte mehr als die Hälfte der ehemaligen Patienten noch Wochen später über Müdigkeitssymptome. Das berichten irische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Plos One". Das Spannende: Für die Corona-Spätfolgen ist es unabhängig, ob ein Patient mit einem schweren Verlauf während der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden musste oder nicht. Auch junge Menschen sind betroffen.

Zu ähnlichen Erkenntnissen kam zuletzt auch eine Analyse des privaten Krankenver­sich­erers DKV von mehr als 10.000 Fällen: "Unsere Auswertung zeigt: Patienten sind noch lange nicht gesund, nur, weil sie als nicht mehr infektiös gelten. Eine COVID-19-Infektion belastet die Gesundheit weit über die direkte Erkrankung hinaus. Die Folgewirkungen einer solchen Infektion sind demnach alles andere als nur ein gesund­heitlicher Bagatellschaden", so Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV.

Jördis Frommbold, Chefärztin der Median Klinik in Heiligendamm, betreut viele solcher Patienten. Sehen Sie oben im Video, was die häufigsten Corona-Langzeitschäden sind und wie sie behandelt werden.