Fast eine halbe Million Demonstranten auf der Straße

Generalstreik in Frankreich eskaliert: Brennende Autos und Tränengas in Paris

© dpa, Rafael Yaghobzadeh, BC hen nwi

5. Dezember 2019 - 21:48 Uhr

Ausschreitungen stellen Gelbwesten-Proteste in den Schatten

Es sind die größten Ausschreitungen, seit Emmanuel Macron Präsident ist: Mehr als 450.000 Menschen sind in rund 50 Städten in Frankreich gegen seine Pläne zur Rentenreform auf die Straße gegangen – noch einmal deutlich mehr als auf dem Höhepunkt der "Gelbwesten"-Krise vor einem Jahr. Im ganzen Land war der öffentliche Verkehr fast komplett lahmgelegt, Bahnhöfe blieben geschlossen. Vor allem in Paris kam es zu heftigen Krawallen: Autos gingen in Flammen auf, die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.

Flammen und Tränengas in Paris

Bang hatte Frankreich diesem Tag entgegengesehen: Zahlreiche Gewerkschaften hatten zu branchenübergreifenden Streiks aufgerufen. Auch im Öffentlichen Dienst, in Krankenhäusern oder der Justiz legten unzählige Menschen die Arbeit nieder. Hunderttausende Demonstranten zogen in mehr als 50 Städten auf die Straße, darunter in Nantes, Marseilles und Lyon. Allein in Paris marschierte eine riesige Menschenmenge auf. Die Lage war angespannt.

Brennpunkt: der Place de la République im Zentrum der Stadt. Hier kam es am frühen Nachmittag zu heftigen Krawallen. Vermummte mischten sich unter die Demonstranten, setzten Autos in Brand und zertrümmerten Fensterscheiben. Aktivisten der radikalen Umweltbewegung "Extinction Rebellion" wollen zudem Tausende E-Tretroller sabotiert oder zerstört haben. Die Polizei war allein in Paris mit rund 6.000 Mann vor Ort, schoss Tränengas auf die Randalierer. Dutzende Menschen wurden festgenommen.

Frankreich-Proteste: Hunderttausende demonstrieren gegen geplante Rentenreform

Frankreich, Paris: Ein Demonstrant hält ein bengalisches Feuer. Bei den Demonstrationen gegen die geplante Rentenreform in Frankreich ist es zu Ausschreitungen gekommen.
In Paris kam es zu schweren Ausschreitungen, nachdem sich Vermummte unter die friedlichen Demonstranten mischten.
© dpa, Thibault Camus, BC hen nwi

Auslöser für die Proteste: die geplante Rentenreform. Damit will die Macron-Regierung das bisherige Renten-Chaos beenden. Denn das französische Rentensystem ist in 42 Einzelsysteme für bestimmte Berufsgruppen zersplittert. Sonderregeln gibt es etwa für Eisenbahner oder Mitarbeiter der Energiewirtschaft.

So können etwa Lokführer theoretisch schon mit Anfang 50 in Rente gehen – obwohl das normale Renteneintritts-Alter in Frankreich bei 62 Jahren liegt. Künftig soll ein Punktesystem die Höhe der Rente mitbestimmen. Außerdem soll es Anreize geben, länger zu arbeiten.

Auch in Deutschland waren die Auswirkungen des Generalstreiks zu spüren. Insbesondere Reisende waren betroffen: Etliche Zugfahrten von und nach Frankreich fielen aus. Der Streik soll in den kommenden Tagen weitergehen. Bis mindestens zum Wochenende werden schwere Einschränkungen im Bahn- und Luftverkehr erwartet.