Generalbundesanwalt Range: Zschäpe hat bildlich "Schmiere gestanden"

War die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe Mittäterin oder gar Drahtzieherin der rechtsextremen Mordserie der NSU?
War die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe Mittäterin oder gar Drahtzieherin der rechtsextremen Mordserie der NSU?
© dpa bildfunk

10. Februar 2016 - 19:24 Uhr

War Zschäpe Mittäterin oder gar Drahtzieherin?

War die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe Mittäterin oder gar Drahtzieherin der rechtsextremen Mordserie der NSU? Generalbundesanwalt Harald Range spricht von einer Gleichrangigkeit der Mitglieder und sieht in Zschäpe keine Drahtzieherin der NSU-Mordserie. Ihr Anwalt weist Mittäter-Vorwürfe zurück.

Ranges Überzeugung sei aber, "dass sie nicht nur Gehilfin oder gar bloße Begleiterin war, sondern gleichrangig agierte", sagte er dem 'Spiegel'. Range argumentierte, dass der NSU, dem neben den verstorbenen Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die jetzt unter anderem wegen zehnfachen Mordes angeklagte Beate Zschäpe angehört habe, "alles gemeinsam geplant, organisiert und letztendlich durchgeführt" habe. Bildlich gesprochen, so Range, könne man sagen: "Zwei Menschen haben getötet, und die dritte Person hat 'Schmiere' gestanden."

Zschäpes Anwalt weist dagegen alle Vorwürfe einer Mittäterschaft seiner Mandantin an den zehn Morden zurück. "Wir halten schon jetzt die Hypothese der Bundesanwaltschaft, Frau Zschäpe sei Mittäterin, für äußerst gewagt und gehen davon aus, dass diese Hypothese nicht bestätigt werden wird", sagte Wolfgang Heer dem Norddeutschen Rundfunk.

"Der NSU war nicht der bewaffnete Arm der NPD"

Laut Range mussten die Ermittlungen, die jetzt zur Anklage gegen Zschäpe und vier mutmaßliche Komplizen geführt haben, unter einer großen gesellschaftlichen Erwartung geführt werden: "Ja, die spüren wir sehr stark, nicht nur bei den Opfern und ihren Angehörigen", so der Generalbundesanwalt im 'Spiegel'. "Wir mussten uns davon frei machen." Er denke, dass die Ermittlungen "wieder Vertrauen in den Staat schaffen können".

Bei den Ermittlungen sei die Bundesanwaltschaft dem Kern des NSU "ziemlich nah" gekommen. Spekulationen, es könnte weitere Morde und Banküberfälle gegeben haben, sei inzwischen der Boden entzogen. Es gebe keine weiteren NSU-Mitglieder oder ein breiteres Unterstützernetz, so Range. Auch nach Abschluss der Ermittlungen bleibe es dabei, dass es kaum Verbindung zwischen der rechten Terrorszene und der NPD gegeben habe. "Der NSU war nicht der bewaffnete Arm der NPD."

Der NDR veröffentlichte indes Ausschnitte aus einem neuen Video mit Aufnahmen Zschäpes. Dem Bericht zufolge setzte das Bundeskriminalamt bei seinen NSU-Ermittlungen gegen Zschäpe auch Video-Aufnahmen der Beschuldigten ein. Die Bewegtbilder zeigen Zschäpe in einer Art Gegenüberstellung, mutmaßlich, um sie möglichen Zeugen vorspielen zu können. Laut NDR handelt es sich um die ersten bekannten Filmaufnahmen von Beate Zschäpe seit über 14 Jahren.