"Gender Pay Gap" sank im letzten Jahr kaum

Frauen verdienen 19 Prozent weniger als Männer

Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen: Die "Gender Pay Gap" lag im vergangenen Jahr in Deutschland bei  19 Prozent.
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08. Dezember 2020 - 12:02 Uhr

Männer mit höherem Bruttogehalt

4 Euro und 37 Cent brutto: Das verdienten Männer durchschnittlich mehr in der Stunde als Frauen. Das zeigen nun die Auswertungen der Gehaltsunterschiede des statistischen Bundesamtes für das letzte Jahr. Mit einem "Gender Pay Gap" von 19 Prozent, liegt Deutschland im europaweiten Vergleich auf den letzten Plätzen – und das hat Gründe.

"Gender Pay Gap" in Deutschland höher als im Rest Europas

Frauen haben im vergangenen Jahr durchschnittlich 19 Prozent weniger als Männer verdient. Das geht aus den jetzt veröffentlichten Zahlen für das Jahr 2019 des statistischen Bundesamtes hervor. In den vergangenen sechs Jahren sank der unbereinigte "Gender Pay Gap" in Deutschland zwar von 22 auf 19 Prozent, trotzdem waren in kaum einem anderen europäischen Land die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen so groß wie hierzulande. Größer als bei uns ist das Lohngefälle nur in Estland. Hier betrug der bereinigte "Gender Pay Gap" für das Jahr 2018 22 Prozent. Spitzenreiter sind übrigens die Luxemburger, wo die Gehaltsunterschiede sich auf rund einem Prozent belaufen.

Die Zahlen zur Ermittlung der Gehaltsunterschiede werden immer rückläufig und unbereinigt ermittelt. Nur alle vier Jahre, zuletzt 2018, ermitteln die Statistiker bereinigte Daten. Das sind Daten, in denen bestimmte Werte wie Berufserfahrung oder Betriebsgröße rausgerechnet werden. Dieser bereinigte Wert, dient dann als Referenz für die jährliche Erhebung der Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen.

Warum verdienen Frauen in Deutschland immer noch viel weniger als Männer?

Die Gründe warum die Gehälter in Deutschland oftmals geschlechtsabhängig sind, sind vielfältig und strukturbedingt, wie die Statistiker herausfanden. Das bedeutet, dass z.B. immer noch deutlich weniger Frauen in Führungspositionen arbeiten als Männer, was sich dann auch an den Durchschnittsgehältern wiederspiegelt. In deutschen DAX-Unternehmen beträgt die Frauenquote laut Allbright-Studie in diesem Jahr zum Beispiel nur 12,8 Prozent und ist damit sogar leicht rückläufig im Vergleich zu vergangenen Jahren. Ein weiterer Grund sei laut den Statistikern, dass viele Frauen nicht Vollzeit arbeiten. Weil sie deutlich häufiger Kinder betreuen oder kranke und alte Verwandte pflegen als Männer, greifen sie auf Teilzeitmodelle zurück oder arbeiten in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen.

Erst in 100 Jahren verdienen Frauen genau so viel wie Männer

Ein Trend, den schon die Auswertungen der Gehaltsunterschiede der letzten sechs Jahre gezeigt hat, setzt sich 2019 weiter fort: In Westdeutschland ist das Lohngefälle deutlich höher als in Ostdeutschland. Während der unbereinigte "Gender Pay Gap" im vergangenen Jahr in Ostdeutschland bei sieben Prozent lag, verdienten Männer in Westdeutschland gut 20 Prozent mehr als Frauen. Für Gesamtdeutschland stellen die Statistiker fest: "Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich für Gesamtdeutschland ein langsamer, aber stetiger Rückgang." Doch auch wenn die Zahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgehen, scheint es bei der Gleichberechtigung in der Gehälter-Frage wohl noch einige Baustellen zu geben. Laut Berechnungen des europäischen Gewerkschaftsbunds, verdienen Frauen wohl erst in 100 Jahren so viel wie Männer. Mehr zu dem Lohnlücken-Hammer lesen sie hier.