Gemüse statt Fleisch

Darf ich meinen Hund vegetarisch oder vegan ernähren?

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27. August 2019 - 18:26 Uhr

Wenn Frauchen oder Herrchen auf Fleisch verzichten, soll auch der Hund Anti-Fleischesser werden

Immer mehr Menschen ernähren sich aus gesundheitlichen oder ethischen Gründen vegetarisch oder vegan. Und immer mehr Erwachsene bevorzugen auch für ihre Kinder und Haustier eine reine pflanzliche Ernährung, aus Sorge um den Klimawandel und das Wohlergehen von Nutztieren. Doch besonders bei Hunden stellt sich die Frage, ob eine fleischlose Ernährung sinnvoll ist, schließlich sind Hunde die Nachfahren von Wölfen - und die haben bestimmt nicht auf Mohrrüben gekaut.

Ein rein pflanzliche Ernährung für Hunde? Das geht!

"Hunde sind zwar Nachfahren der Wölfe, gehören per Definition jedoch zu den Allesessern. Deshalb können durchaus Hunde von einer pflanzenbasierten Ernährung profitieren, wenn diese ausgewogen ist", sagt Lisa Kainz, Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie bei PETA. Besonders wenn die Vierbeiner an Allergien leiden, die durch tierische Substanzen ausgelöst werden, sei eine Umstellung auf pflanzliches Tierfutter sinnvoll.

Bevor man mit der vegetarischen oder veganen Hundeernährung beginnt, sollte man laut Peta folgende Punkte beachten:

  • Die Umstellung

Hunde sollten langsam an die neue Ernährung gewöhnt werden, damit sich auch der Darm der neuen Futterzusammensetzung anpassen kann. Am besten wird der pflanzliche Anteil von Tag zu Tag erhöht, bis die Futterumstellung nach etwa zwei Wochen abgeschlossen ist. Größere Kotmengen sind in den ersten Wochen möglich, jedoch nicht weiter schlimm.

  • Geschmäcker sind verschieden

Wie auch beim Menschen gibt es unter Hunden Individuen, die alles gerne essen, und solche, die sich ihre Lieblingsstücke herauspicken. Es ist ratsam, verschiedene Varianten auszuprobieren und auch die Konsistenz der Mahlzeit zu variieren. Viele Hunde mögen ihr pflanzliches Essen lieber püriert, andere bevorzugen Futter mit groben Stücken.

  • Gesundes Eiweiß aus der Pflanze

Hunde können fast alle Nährstoffe problemlos aus Pflanzen aufnehmen – so auch Eiweiß. Besonders bewährt haben sich gekochte Linsen und Erbsen oder Lupine. Auch Vollkornnudeln, Kartoffeln und Reis schmecken den Vierbeinern.

  • Obst und Gemüse

Neben den Klassikern – Äpfeln und Karotten – mögen viele Hunde auch Rote Beete, Spinat, Kürbis, Bananen oder Beeren.

  • Nüsse

Nüsse, Samen und Sprossen sind voller Energie – davon profitieren auch Vierbeiner. Hundehalter können Sprossen wie Alfalfa, Quinoa oder Radieschen selbst ziehen und diese unter die Mahlzeit mischen. Viele Vierbeiner genießen ganze Nüsse als Snack für zwischendurch oder knabbern gerne an einer Karotte. Auch in Haselnuss-, Walnuss-, Sonnenblumen- und Kürbiskernen sowie Leinsamen stecken wertvolle Inhaltsstoffe, die den tierischen Speiseplan bereichern. Von Mandeln wird wegen der enthaltenen Blausäure abgeraten. Und Achtung: Macadamianüsse sind für Hunde hochgiftig!

  • Kräuter

Kräuterpflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel oder Petersilie sind nicht nur gut für die Gesundheit der menschlichen Begleiter, sondern machen den Hundenapf, auch püriert untergemischt, grüner.

  • Leckerlis

Kauknochen sind von gestern. Viele Hunde nagen zur Abwechslung auch gerne an rohen Süßkartoffeln, naschen ein wenig Räuchertofu oder beschäftigen sich mit einer Torgawurzel.

  • Doch lieber Fertigfutter?

Mittlerweile gibt es in Fachgeschäften oder diversen Onlineshops ein großes Angebot an rein pflanzlichem Alleinfutter oder Leckerlies. Wer sich also nicht zutraut, die Mahlzeit für seinen Vierbeiner komplett selbst zuzubereiten, der kann auf diese tier- und umweltfreundlichen Alternativen zurückgreifen.

  • Immer genug trinken

Viele Hunde nehmen zu wenig Flüssigkeit auf oder trinken lieber aus einer schmutzigen Pfütze als daheim aus dem Napf. Mit einem Schuss Hafer- oder Reisdrink oder mit etwas gekochter Gemüsebrühe lässt sich das langweilige Wasser aufpeppen. Manche Hunde mögen lieber abgestandenes Wasser, für andere muss die Flüssigkeit mehrmals täglich gewechselt werden. Wie auch beim Essen können der Standort oder das Material des Napfes das Trinkverhalten beeinflussen.

  • Gesunde Öle für glänzendes Fell

Eine kleine Menge Öl (je nach Gewicht des Hundes) über dem Essen verbessert meist Haut und Fell der Vierbeiner und macht es glänzend. Gerne wird hier zu Lein-, Hanf-, Distel- oder Schwarzkümmelöl gegriffen.

Wer unsicher ist, ob sein Hund bestimmte Produkte der oben genannten Lebensmittel aufgrund von Vorerkrankungen, Allergien oder Ähnlichem nicht essen sollte, sucht vor der Futterumstellung einen Tierarzt auf.

Kann ich selber vegetarisches/veganes Futter für meinen Hund zubereiten?

Wer das Essen für seinen Hund komplett selbst zubereiten möchte, der sollte darauf achten, dass alle Nährstoffe in ausreichender Menge und Qualität enthalten sind. Zur Sicherheit gibt es Supplemente, auf die man zurückgreifen sollte. Hundehalter sollten zudem immer auf eine ausreichende Wasserversorgung achten. Die Zusammensetzung der einzelnen Nahrungskomponenten hängt von Größe, Gewicht und anderen individuellen Faktoren ab. In jedem Fall ist es ratsam, sich ausreichend in den zahlreichen Fachpublikationen zur veganen Hundeernährung zu informieren. Wichtig: Wenn dem Hund etwas nicht schmeckt, sollte der Halter ihn auf keinen Fall zum Essen zwingen – und das Tier niemals hungern lassen!

Wann sollte man seinen Hund nicht veganes Futter geben?

Im Falle einer Krankheit des Hundes, bei der eine spezielle Futtermitteldiät empfohlen wird, sollte immer eine Futterberatung oder der Tierarzt aufgesucht werden. Lässt sich die benötigte Diät nicht selbst kochen, muss die Ernährung umgestellt werden. Auch während der Schwangerschaft und der Laktation der Mutterhündin sollte die Ernährung in Absprache mit dem Tierarzt angepasst werden.

Tierärzte sehen die Sache kritisch

Die Münchner Veterinärmedizinerin Britte Dobenecker vom Lehrstuhl für Tierernährung der Universität München hält eine rein pflanzliche Hundekost zwar nicht für unmöglich, aber auch nicht für ratsam. "Ich frage mich, ob es unbedingt nötig ist, das auszuprobieren. Der Halter muss sich dann jedenfalls viel mehr Gedanken machen", sagt sie gegenüber "Süddeutsche.de". Die Tierärztin empfiehlt außerdem zu regelmäßigen tierärztlichen Kontrollen. Auch vom selbstgekochten Hundefutter rät Britta Dobenecker ab. Hier sei die Gefahr einer schlechten Zusammensetzung besonders groß, warnt sie. Auch wenn vegetarisches Fertigfutter keine Garantie für eine gesunde Ernährung biete, so fänden sich unter den zahlreichen Angeboten doch viele mit guter Qualität.

Funktioniert eine vegane Ernährung auch bei Katzen?

Im Gegensatz zu Hunden, gestaltet sich eine vegetarische bzw. vegane Ernährungsumstellung bei Katzen schwieriger. Trotz ihrer Domestikation sind sie reine Fleischfresser geblieben. Jana Hoger, Fachreferentin für den Bereich Tierische Mitbewohner empfiehlt, dass bei der veganen Katzenernährung alle Nährstoffe in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stehen. Teilweise ist es bei Katzen problematisch, wenn sie bereits an fleischhaltige Nahrung gewöhnt sind, beispielsweise bei Katzen aus dem Tierheim, die jahrelang nur Nahrung bekommen haben, welches Fleisch enthielt. Dann wird vegane Kost oftmals nicht akzeptiert.

Ein weiteres Problem ist, dass es vegane Nahrung für Katzen oftmals nur als Trockenfutter zu kaufen gibt. Bei einer Fütterung mit Trockenfutter sollte immer darauf geachtet werden, dass die Katzen ausreichend trinken, da sie anfällig für Nierenerkrankungen sind.

  • Wichtig: Grundsätzlich sollte keine Katze und kein Hund zu einer pflanzlichen Ernährung gezwungen werden, wenn diese keine Akzeptanz findet!