Fetter Zoff in England

Gemeindemitglieder seien zu dick: Pfarrerin schmeißt antike Kirchenbänke raus

Eine Pfarrerin in England will alte Kirchenbänke durch Plastikstühle ersetzen.
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04. August 2020 - 12:49 Uhr

Kein Halleluja mehr für Dicke?

Kleine Kirche, großer Streit: Die Pfarrerin der St. Andrews Church in Okeford Fitzpaine in Südengland, tauscht die Sitzbänke aus, weil Gläubige immer dicker würden. Und genau das sorgt jetzt für fetten Zwist.

Jetzige Bänke sind diskriminierend

Gerade bei Hochzeiten habe laut der "Daily Mail" die Pfarrerin beobachtet, dass es wegen der zu breiten Bänke im Mittelgang ziemlich eng werden kann. Wenn die Menschen dicker oder gar fettleibig seien, dann passen sie nicht zusammen durch den schmalen Gang. Kurz nach der Trauung müssen frisch verheiratete Paare dann buchstäblich getrennte Wege gehen. Die Pfarrerin findet das diskriminierend und schaltete die Kirchenbehörde ein.

Dicke Menschen schämen sich

Wenn die Bänke abgebaut werden, müssten sich dickere Menschen in der Kirche nicht mehr schämen. Auch Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderte hätten es in der Kirche dann einfacher, befand der zuständige Kirchenrat und entschied: Die über 700 Jahre alten Holzbänke kommen raus. Stattdessen gibt es eine flexible Bestuhlung aus Plastikstühlen. Unterstützung bekommt die Pfarrerin von ganz oben: "Kirchen sind Gemeinschaftshäuser, die sich der Gesellschaft und ihrem Wandel anpassen müssen", segnete der zuständige Erzbischof die Idee ab.

„Rettet die Kirchenbänke“

Um die Holzbänke hat sich ein erbitterter Streit entwickelt. Viele Menschen aus der Gemeinde hängen an den über 700 Jahre alten Exemplaren und sind außer sich: "Die Kirchenbänke sind Teil der Geschichte. Wenn man sie rausreißt, dann ist die Seele der Kirche verschwunden", sagt die Sprecherin der Initiative "Rettet die Kirchenbänke von St.Andrew" zur "Daily Mail". "Ich war fassungslos als ich die Gründe gehört habe: Ich habe noch nie gesehen, dass jemand Dickes nicht durch den Gang gepasst hat oder gestolpert ist."

Bänke werden bei Facebook verkauft

Der Erzbischof versucht die aufgebrachte Gemeinde zu beruhigen und Ihnen die Plastikstühle schmackhaft zu machen: "Durch die flexible Bestuhlung haben wir bald mehr Platz um den Hygieneabstand beim Gottesdienst einzuhalten". Trotz des Gegenwinds steht also fest: Die Bänke kommen weg. Seit einigen Tagen werden sie sogar schon über Facebook verkauft. Den Streit in dem südenglischen Dorf dürfte das wohl nicht beenden.