Geldwäsche-Verdacht: Lotto meldete Sportwetten-Spieler

24. Januar 2020 - 14:10 Uhr

Außergewöhnlich hohe Einsätze bei der Sportwette Oddset im Raum Zerbst haben den Lotto-Untersuchungsausschuss im Landtag beschäftigt. Die Abgeordneten befragten am Freitag die Abteilungsleiterin für Spielbetrieb und Prokuristin von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt. Diese sagte, 2017 seien die hohen Spieleinsätze erstmals aufgefallen. "Wir haben es ganz akribisch beobachtet und weitergeleitet." Insgesamt seien neun Spieler identifiziert worden, die binnen eines halben Jahres mehr als 100.000 Euro eingesetzt hätten. Alle seien in und um Zerbst aktiv gewesen. Die Sportwette Oddset ist bei Lotto ein Nischenprodukt, es wird auf Ergebnisse von Fußballspielen gewettet.

Die Verdachtsfälle seien an die deutsche Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen gemeldet worden. Von dort sei aber trotz Nachfragen keine Rückmeldung gekommen. Lotto-Toto Sachsen-Anhalt habe das Spielverhalten weiter genau beobachtet, aber nicht eingegriffen, um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden. "Es ist nicht belegt, dass es kriminelles Verhalten ist", beschrieb die Abteilungsleiterin die Erkenntnisse der Lotto-Gesellschaft. Sie beschrieb ein sehr detailliertes Monitoring für das Spielverhalten und die Umsätze. Woher das Geld für die Einsätze komme, wisse Lotto-Toto Sachsen-Anhalt aber nicht.

Besonders auffällig war die Umsatzentwicklung in einer Lotto-Verkaufsstelle in Zerbst. Dort stiegen die Umsätze den Erkenntnissen des Ausschusses nach im Anschluss an einen Inhaberwechsel von ursprünglich rund 200 Euro in der Woche auf etwa 15.000 Euro. Ein am Freitag befragter Vertriebsleiter sagte, das wöchentliche Limit für die Einsätze in dieser einen Verkaufsstelle seien auf Antrag hochgesetzt worden.

Die Inhaberin der Verkaufsstelle stand mehrfach im Fokus von Fragen der Abgeordneten an die Zeugen. Die Prokuristin bestätigte, dass die Frau mit einem Softwareentwickler verheiratet ist, der bei einer Firma arbeitete, die Wettsoftware erstellt hat. Der Mann selbst sei aber kein Spieler bei Lotto-Toto Sachsen-Anhalt.

Der Ausschussvorsitzende Andreas Steppuhn sagte im Anschluss an die Sitzung: "Ich setze jetzt drauf, dass das Innenministerium als Aufsichtsbehörde und die Staatsanwaltschaft von sich aus aktiv werden." Der Untersuchungsausschuss könnt die komplette Aufklärung gar nicht leiste.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss war auf Initiative der AfD eingerichtet worden. Er soll untersuchen, wer in welcher Höhe Lotto-Fördermittel erhielt und ob die Verwendungszwecke eingehalten wurden. Zudem geht es um die Frage, ob persönliche Beziehungen bei der Vergabe von Jobs eine Rolle spielten, und ob es Fälle von Geldwäsche gab, denen nicht ausreichend nachgegangen wurde.

Quelle: DPA