Geld statt Erste Hilfe – Venezolaner lassen Schwerverletzte liegen

19. Januar 2017 - 17:06 Uhr

Unglaubliche Szenen in Venezuela: Bei einem Autounfall sterben zwei Menschen, eine Frau liegt schwer verletzt auf der Straße. Die Umherstehenden interessiert das aber nicht, sie sammeln lieber Geld auf, das aus dem Auto geschleudert wurde.

Ein normaler Freitag, Anfang des Jahres in Venezuela. Auf der 'Autopista Maniel Piar', einer Schnellstraße zwischen den Städten Ciudad Guayana und Upata im Osten des Landes, kommt es zu einem Unfall. Eigentlich normal. Die Straße ist vielbefahren, immer wieder kommt es hier zu kleineren Autounfällen. Dieser Unfall ist allerdings deutlich schwerwiegender.

Denn das Auto mit drei Insassen, das plötzlich von der Fahrbahn abkommt, überschlägt sich und bleibt im Straßengraben liegen. Zwei Insassen sterben noch an der Unfallstelle, eine Frau liegt schwer verletzt auf der Straße. Dann das Unglaubliche: Zwar eilen viele Menschen herbei, sie helfen der verletzten Frau aber nicht.

Größte Inflation weltweit in Venezuela

A man holds 500 and 5000 bolivar banknotes for a photo in Caracas, Venezuela January 16, 2017. REUTERS/Marco Bello
Geld ist momentan in Venezuela Mangelware. Das Land kämpft mit der größten Inflation weltweit.
© REUTERS, MARCO BELLO, MAB/cvi

Der Grund: Auf der Straße liegen zahlreiche Gelscheine, die beim Unfall offensichtlich aus dem Auto geschleudert wurden. Kohle statt Hilfe – unfassbare Szenen, die eine Venezolanerin mit ihrer Autokamera einfängt. Warum in dem Auto so viel Geld lag, ist unbekannt. Allerdings könnte die wirtschaftliche Situation in Venezuela erklären, warum sich so viele Passanten auf das Geld stürzten.

Venezuela kämpft mit der größten Inflation weltweit. Experten rechnen mit 600 bis 700 Prozent Teuerung, also ansteigenden Preisen. Einige Tage nach dem Unfall wurden nach wochenlangen Verhandlungen wieder größere Geldscheine ausgegeben worden. Wegen der Inflation können in dem stark importabhängigen Land kaum noch Lebensmittel und Medikamente aus dem Ausland bezahlt werden, da es an ausländischer Währung mangelt. Lange Schlangen vor Supermärkten und Schwarzmarktgeschäfte bestimmen den Alltag.