Geklaute Kindheit: Kinderehen im Gazastreifen

27. Mai 2015 - 12:42 Uhr

RTL-Reporterin Raschel Blufarb berichtet

Sie sind Kinder, inzwischen beide 15 Jahre alt - und verheiratet. Ahmed und Tamara aus Gaza-Stadt haben sich vor einem Jahr das 'Ja'-Wort gegeben. Aus rein wirtschaftlichen Gründen. Und die Familie macht ihnen nun auch noch Druck, ein Baby zu zeugen. RTL-Reporterin Raschel Blufarb hat das junge Ehepaar besucht.

Kinderehen Gaza
Hochzeitsfoto von Ahmed und seiner Frau Tamara.

Ahmed lebt nördlich von Gaza-Stadt gemeinsam mit seinen Eltern, vier Geschwistern und seiner Frau Tamara. Die zwei waren Nachbarn, kennen sich, seit sie ganz klein sind. "Ich habe sie geheiratet, weil meine Mutter sehr krank ist. Tamara soll ihr beim Haushalt helfen", erzählt der 15-Jährige. "Meine Mutter bat mich darum, diesen Wunsch hab ich ihr erfüllt."

Tamara, eine Haushaltshilfe für die Familie ihres Mannes. Sie erledigt ihre Aufgaben unermüdlich und ohne zu klagen: Wäscht, putzt, kocht, backt Brot - Tag und Nacht. Seit sie elf Jahre alt ist, geht das Mädchen nicht mehr zur Schule. Jetzt ist sie Ehefrau. "Ich habe so jung geheiratet, weil ich meiner Schwiegermutter helfen soll. Die Familie meines Mannes hatte mich gefragt, ob ich bereit bin zu heiraten, und ich hab ja gesagt."

Viele Eltern meinen "je früher, desto besser"

Ihr Schwiegervater drängt die beiden Kinder nun, ein Baby zu zeugen - denn Kinder können ja arbeiten und die Familie unterstützen, sagt er. Bisher hat es noch nicht geklappt mit der Schwangerschaft und Ahmed fühlt sich zunehmend unter Druck. "Ich dachte, wenn ich heirate wird alles besser, aber alles ist noch schlimmer geworden. Ich bereue es trotzdem nicht. Denn meine Frau kümmert sich ja um uns, sie macht alles, was nötig ist."

Wie viele Fälle von Kinderehen es in Gaza gibt, ist unklar. Menschenrechtsorganisation versuchen Eltern aufzuklären, die Kinderehen zu verhindern, doch das ist schwierig. "Gesetzlich ist es im Gazastreifen erlaubt, Kinder zu verheiraten. Mädchen mit 14 Jahren und Jungs mit 15 Jahren", berichtet Blufarb. "Und gerade in den ärmeren und ländlicheren Gegenden nehmen die Fälle zu. Da meinen viele Eltern je früher, desto besser."