5 Fragen, 5 Antworten

Geisterspiele in der Bundesliga: Das erwartet uns

Fußball - Geisterspiele
© dpa, Roland Weihrauch, rwe hpl nic

21. April 2020 - 8:13 Uhr

Fortsetzung der Bundesliga nur unter Einschränkungen

Die Coronakrise hat die Sportwelt fest im Griff, auch König Fußball darf sich nicht gegen die geltenden Bestimmungen der Bundesregierung stellen. Aus diesem Grund bereitet die Deutsche Fußball Liga (DFL) gerade eine Fortsetzung des Ligabetriebs in Form von Geisterspielen vor. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Frage 1: Wer darf bei Geisterspielen ins Stadion?

Der Begriff "Geisterspiel" lässt es bereits vermuten: Fans werden bei der Fortsetzung der Bundesliga nicht im Stadion erlaubt sein. Komplett leer werden die Stadien aber nicht sein. Laut Informationen von "Bild" dürfen sich während einer Partie maximal 239 Personen gleichzeitig im Stadion aufhalten, in den Innenraum sollen nur noch 126 Menschen dürfen: Die Mannschaften in kompletter Stärke, pro Team sind nur noch acht Trainer, Betreuer und Ärzte zugelassen. Dazu kommen 113 Personen auf den Tribünen - darunter 30 Journalisten. Statt bislang zwölf werden nur noch vier Balljungen dabei sein. Die stärkste Gruppe im Innenraum stellt laut des Medienberichts das Fernsehen mit 36 Personen, die die TV-Übertragung sichern.

Frage 2: Wie sieht der neue Terminplan aus?

Die Saison soll wohl ab dem 9. Mai fortgesetzt werden. Das hatten die Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfahlen und Bayern am Montag in Aussicht gestellt. Da die Bundesliga im Vergleich zu vielen anderen Sportligen eine deutlich geringere Spieldichte hat und nur fünf Spieltage nachholen muss, wird es wohl nur vereinzelt englische Wochen geben müssen. So soll die Spielzeit bis zum 30. Juni zu Ende gebracht werden, im Optimalfall sogar mit der Relegation. Aktuell sieht es danach aus, dass am 9. Mai der 25. Spieltag aus dem März nachgeholt wird und danach alle weiteren augefallenen Spieltage. Somit wären die Terminierungen für die unter normalen Umständen im Mai zu spielenden Begegnungen hinfällig.

Frage 3: Wie lange wird es Geisterspiele geben?

In Deutschland gibt es ein Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August. Darunter fallen auch die Bundesliga-Partien. In der laufenden Spielzeit sind prall gefüllte Stadien damit ausgeschlossen. Der Virologe Alexander Kekulé hält für wahrscheinlich, dass in diesem Jahr nur noch Geisterspiele stattfinden werden. "Ich würde für dieses Jahr nichts mehr planen mit Publikum", sagte der Virologe: "Da wäre ich pessimistisch. Es sieht nicht so aus, als könnten wir dieses Jahr noch ernsthaft so etwas ins Auge fassen."

Experten vermuten, dass erst im Sommer 2021 wieder in vollen Stadien gespielt werden kann, wenn es auch einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt.

Frage 4: Wie geht es in den anderen Wettbewerben weiter?

Da im DFB-Pokal bereits alle Viertelfinals gespielt wurden, stehen insgesamt nur noch drei Partien aus. Die beiden Halbfinalspiele sollen zwischen Anfang Mai und Ende Juni gespielt werden. Das Finale in Berlin soll dann eine Woche nach dem letzten Bundesliga-Spieltag stattfinden.

Für die internationalen Wettbewerbe Europa League und Champions League gibt es derweil noch keine konkrete Entscheidung über eine möglich Fortsetzung. Bei beiden Wettbewerben wurde während der Achtelfinals der Spielbetrieb gestoppt. Wann und wie es mit den internationalen Begegnungen weitergehen kann, scheint fraglich, da Länder wie Italien, Spanien oder England derzeit besonders heftig von der Coronakrise betroffen sind.

Möglicherweise werden die ausstehenden Runden in einem kompakten Turnier im Sommer ausgespielt.

Frage 5: Wie sieht es mit den Sicherheitsvorkehrungen aus?

Mit Sicherheit das größte Streitthema der letzten Tage. In der Sicherheitsfrage hielt sich die DFL bislang bedeckt. Doch alleine die Tatsache, dass das gesellschaftliche Leben wegen der Infektionsgefahr auf ein Mininimum reduziert wurde, aber wieder Fußballspiele stattfinden sollen, führte zu Diskussionen. Besonders heftige Kritik gab es vom Gesundheitsexperten und SPD-Poltiker Karl Lauterbach. Der Bundestagsabgeordnete stellte klar, dass es bei einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs konsequente Testverfahren für das Virus geben müsse. Die rund 20.000 benötigten Tests würden dann an einer anderen Stelle fehlen.

Die DFL hält die Testkapazitäten offenbar für ausreichend und verweist auf diese Aussage von Evangelos Kotsopoulos, dem Vorstand vom Berufsverband Akkreditierter Labore in der Medizin (ALM) in Deutschland: "Selbst wenn die 36 Vereine ihr Personal alle zwei Tage durchtesten würden mit jeweils 40, 50 Personen, liegen wir unter einem halben Prozent der Testkapazitäten. Das ist in absoluten Zahlen so gering, dass das regional vor Ort einfach so mitgemacht würde. Das sehen wir als vollkommen unproblematisch an", so Kotsopoulos in "Welt" und "Bild".