Geiselnehmer von Gladbeck wieder auf freiem Fuß – Dieter Degowski verbrachte sein halbes Leben hinter Gittern

16. Februar 2018 - 16:45 Uhr

Laut Gutachten ist Dieter Degowski "nachgereift" und "psychisch stabil"

30 Jahre lang saß der Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski im Gefängnis, nun ist der der heute 61-Jährige wieder auf freiem Fuß. Die Justizvollzugsanstalt Werl bestätigte, dass Degowski aus dem Gefängnis entlassen wurde. Die Justizbehörden hatten keine Bedenken den Mann gehen zu lassen. Laut Gutachten sei er "nachgereift" und "psychisch stabil", außerdem habe er keine Alkohol- oder Drogenprobleme.

Degowski und Rösner erschossen zwei Geiseln

Das Geiseldrama von Gladbeck gilt als eins der aufsehenerregendsten Verbrechen der deutschen Kriminalgeschichte. Degowski und sein ein Jahr jüngerer Komplize Hans-Jürgen Rösner hatten im August 1988 die Republik in Atem gehalten. Nach einem missglückten Bankraub in Gladbeck flüchteten sie mit mehreren Geiseln tagelang kreuz und quer durch Deutschland.

Am Ende waren drei Menschen tot: Die Männer erschossen zwei Geiseln und ein Polizist verunglückte bei der Verfolgung tödlich. Das Landgericht Essen hatte die Täter 1991 zu lebenslanger Haft verurteilt - Degowski mit besonderer Schwere der Schuld. Bei Rösner wurde Sicherungsverwahrung angeordnet.

Auch Rösner will wieder frei kommen

Nachdem Degowski sein halbes Leben hinter Gittern verbracht hat, setzte das Landgericht Arnsberg die lebenslange Freiheitsstrafe des Geiselnehmers zur Bewährung aus. Die Richter stützten sich dabei auf die günstige Prognose und das tadellose Verhalten Degowskis im Gefängnis an den Tag legte. Degowski habe alle Lockerungen der Justizvollzugsanstalt Werl beanstandungsfrei absolviert - insgesamt 38 unbegleitete sowie zwölf Langzeitausgänge. Auch die Staatsanwaltschaft hatte keinerlei Einwände erhoben.

Auch sein damaliger Komplize Rösner würde gerne wieder frei kommen und bemüht sich derzeit um eine Verlegung in den offenen Vollzug. In seinem Fall äußerte sich die Justizvollzugsanstalt Aachen, in der er einsitzt, aber zurückhaltend. Es könne Jahre dauern, bis Strafgefangenen, die Jahrzehnte in Haft saßen, entsprechende Lockerungen gewährt würden. Die Gefängnisleitung bestätigte aber, dass Rösner im November 2017 eine Therapie begonnen habe. Das sei ein notwendiger erster Schritt. Sein Anwalt erklärte, dass der Gefangene eine Begutachtung seiner Gefährlichkeit durch einen Sachverständigen beantragt habe.