Geiselnahme in Berlin unblutig beendet - Täter gibt auf

15. April 2013 - 19:56 Uhr

Geisel körperlich unverletzt

Die Geiselnahme in einer Berliner Bank ist am frühen Morgen unblutig zu Ende gegangen. Der Täter wurde festgenommen und soll heute noch dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Mann habe aufgegeben, die Geisel freigelassen und sei von sich aus aus der Bank gekommen, teilte die Polizei mit. "Die Taktik der Polizei ist aufgegangen", sagte Polizeisprecher Stefan Redlich nach einem fast zehnstündigen Nervenkrieg.

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Eine in Decken gehüllte Bankangestellte wird während des Polizeieinsatzes aus der Berliner Bank befreit.
© dpa, Michael Kappeler

Das gute Ende war nicht absehbar: Am Freitagnachmittag waren bereits Scharfschützen angerückt, schwer bewaffnete Polizisten sicherten ein Bürogebäude an einem Verkehrsknotenpunkt. Nachdem die Beamten stundenlang mit dem Mann verhandelt hatten, gab er in der Nacht auf und ließ sich widerstandslos festnehmen. Nähere Angaben zu dem Geiselnehmer, möglichen Motiven oder Waffen machte die Polizei nicht. Unklar bleibt etwa, ob der Mann tatsächlich damit drohte, die Bank mit einer Bombe in die Luft zu sprengen.

Das Opfer sei zwar offenbar körperlich unverletzt. "Aber natürlich ist das eine psychisch belastende Situation", sagte der Sprecher. Kriminaltechniker des Landeskriminalamtes gingen unmittelbar nach Ende der Geiselnahme in die Bank im Stadtteil Zehlendorf, um zu überprüfen, was für Waffen der Täter bei sich hatte. Der Festgenommene sollte direkt ins Landeskriminalamt gebracht werden, er werde vermutlich heute vernommen und dann aller Voraussicht nach dem Haftrichter vorgeführt.

"Brenzlige Situation bis zum Schluss"

Der Mann hatte drei Tage vor Heiligabend gegen 15.50 Uhr einen 40 Jahre alten Bankangestellten in seine Gewalt gebracht. Weitere etwa 20 Menschen konnten aus dem Gebäude entkommen. Der Täter forderte eine hohe Bargeldsumme - nach unbestätigten Berichten eine Million Euro - sowie freien Abzug. Mehr als 300 Polizeibeamte hatten das Gebäude und die Umgebung der Bank daraufhin abgesichert.

Nach stundenlangen Verhandlungen per Telefon kam gegen 1.20 Uhr am Samstagmorgen schließlich Bewegung in die Szenerie, als mehrere Polizeiwagen mit Blaulicht in das abgesperrte Areal fuhren. Kurz darauf wurde das Ende der Geiselnahme verkündet. "Für uns ist so eine Situation eine ganz ernste Sachlage. Das ist gefährlich, was hier passiert", sagte ein Sprecher.

Zwischenzeitlich hatte die Polizei den Geiselnehmer und sein Opfer mit Essen versorgt, bestätigte ein Polizeisprecher auf Anfrage. Weitere Einzelheiten zum Ablauf der Verhandlungen gibt es bislang nicht. "Eine brenzlige Situation war es aber bis zum Schluss", sagte der Sprecher. Immerhin habe der Mann einen Menschen in seiner Gewalt gehabt.