16. Oktober 2018 - 8:39 Uhr

Polizei stürmt Apotheke

Aufatmen in Köln: Die Polizei hat die Geiselnahme am Hauptbahnhof beendet. Über Stunden hatte ein Mann eine Frau in seiner Gewalt, dann griff die Polizei zu. Auf einer Pressekonferenz gaben Polizei, Feuerwehr und Staatsanwaltschaft jetzt erste Details bekannt. Demnach schließen die Behörden auch einen Anschlag mit terroristischem Hintergrund nicht aus.

14-Jährige erlitt Brandverletzungen

Polizei überwältigt Geiselnehmer
Spurensicherung in Apotheke im Kölner Hauptbahnhof.
© dpa, Marius Becker, mb fpt

Die bei der Geiselnahme festgehaltene Frau wurde nach Angaben des Kölner Polizeidirektors Klaus Rüschenschmidt "mittelschwer" verletzt, der Täter wurde notoperiert, Einsatzkräfte hatten mehrfach auf ihn geschossen. Nach bisherigen Erkenntnissen zündete der Festgenommene am Montagmittag in einem Schnellrestaurant im Bahnhofsgebäude einen Molotowcocktail, um 12:42 Uhr erreichte die Polizei der entsprechende Notruf. Dabei erlitt eine 14-Jährige Brandverletzungen. Anschließend verließ der Mann das Restaurant und verschanzte sich mit einer weiblichen Geisel in der Bahnhofsapotheke. Im Kontakt mit der Polizei stellte er von dort aus die Forderung nach freiem Abzug und wollte die Freilassung einer inhaftierten Tunesierin erzwingen.

Da die Polizei davon ausging, dass der Täter brennbare Flüssigkeiten bei sich trug, entschied sich die Einsatzleitung zuzugreifen. Rüschenschmidt zufolge versuchte der Mann noch, seine Geisel anzuzünden, konnte von den Einsatzkräften jedoch daran gehindert werden. Bei dem Zugriff habe er mehrere Schussverletzungen erlitten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, in dem er derzeit noch notoperiert werde.

Terroranschlag nicht ausgeschlossen

Geiselnahme in Kölner Hauptbahnhof
Der Kölner Polizeidirektor Klaus Rüschenschmidt bei der Pressekonferenz am Montag.
© dpa, Marius Becker, mb fpt

Zu den Hintergründen der Tat konnten bislang keine genauen Angaben gemacht werden, so eine Sprecherin. Auch ein Terroranschlag könne nicht ausgeschlossen werden, es werde in alle Richtungen ermittelt. Den Angaben eines weiteren Sprechers zufolge soll der Mann bei der Geiselnahme geäußert haben, zur Terrorormiliz IS zu gehören. In der Apotheke fanden die Einsatzkräfte Brandbeschleuniger und Gastkartuschen, von denen zwei miteinander verbunden waren. Was genau der Mann damit plante, ist noch nicht gesichert.

Am Ort der Geiselnahme fanden die Beamten außerdem das Ausweisdokument eines 55-jährigen Syrers. Dieses konnte dem Festgenommenen bislang jedoch noch nicht zweifelsfrei zugeordnet werden. Bei dem gefundenen Dokument handelt es sich um eine von der Stadt Köln ausgestellte Duldung. Die entsprechende Person sei bereits mehrmals strafrechtlich auffällig geworden, so Rüschenschmidt. Zu den Delikten gehörten Diebstahl, Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Der islamistischen Szene war er bislang jedoch noch nicht zugeordnet worden.

Die Polizei bittet Zeugen, Fotos und Video auf dem NRW-Hinweisportal hochzuladen, die bei den Ermittlungen helfen könnten.

Geiselnehmer verschanzte sich in Apotheke

Die Ermittler gehen davon aus, dass unter anderem die ausgelöste Sprinkleranlage mit ihren Wassermassen den Täter dazu veranlasste, das Schnellrestaurant zu verlassen und sich in der gegenüberliegenden Apotheke zu verschanzen.

Bahnverkehr rund um Köln lag zeitweise still

Der Polizeieinsatz brachte den Bahnverkehr rund um den zentralen Knotenpunkt Köln nahezu zum Erliegen. Der Bahnhof wurde evakuiert, Züge wurden weiträumig umgeleitet, einige Züge endeten vorzeitig. Da auch die Schnellstrecke nach Frankfurt nach einem ICE-Brand mehrere Tage gesperrt ist, stand nahezu der komplette Bahnverkehr rund um Köln still. Erst am Abend wurde der normale Zugbetrieb wieder schrittweise aufgenommen. Im Fernverkehr könne es nach Unternehmensangaben auch am Dienstag noch zu Verzögerungen und Ausfällen kommen.