Geiseldrama in Frankfurt: "Vorgeschichte" zwischen Täter und Opfer

16. Januar 2014 - 15:27 Uhr

"Es gibt eine Vorgeschichte zwischen den Personen"

In Frankfurt hat ein 25-Jähriger seine 18 Jahre alte Ex-Freundin in deren Wohnung als Geisel genommen. Der Polizei gelang es erst im zweiten Anlauf, die Frau zu befreien - nach mehr als zehn Stunden. Jetzt nennen die Beamten erste Details: Zwischen Täter und Opfer soll es eine "Vorgeschichte" geben.

Die Polizei beendet das Geiseldrama im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen unblutig.
Spezialkräfte der Polizei stürmen die Wohnung, in der sich der Täter mit seinem Opfer verschanzt hat.
© dpa, Arne Dedert

Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort: Stundenlang versuchen die Beamten, den Täter zum Aufgeben zu bewegen. Nur so viel scheint zunächst klar: Der 25-Jährige ist polizeibekannt, im Besitz einer Schusswaffe und verschanzt sich mit seiner 18 Jahre alten Ex-Freundin in deren Wohnung im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Die Verhandlungen mit dem Mann dauern mehrere Stunden - ohne Ergebnis. Plötzlich ist ein Schuss zu hören, ein Spezialeinsatzkommando stürmt die Wohnung. Die Beamten zünden eine Blendgranate, um den Täter abzulenken, doch der Einsatz schlägt fehl.

"Als sie in die Wohnung eingedrungen waren, haben sie festgestellt, dass er das Opfer unmittelbar bedroht", sagt André Sturmeit von der Polizei Frankfurt. Der Nervenkrieg geht weiter. Jetzt verhandeln die Beamten von Angesicht zu Angesicht mit dem Täter in der Wohnung. Um den 25-Jährigen abzulenken, löst die Polizei vor der Wohnung schließlich eine zweite Detonation aus. Der Versuch gelingt. "Er hat sich nicht freiwillig ergeben", so Sturmeit. Täter und Opfer blieben unverletzt, die Frau stand aber unter Schock.

Nach dem Geiseldrama gibt die Polizei auf einer Pressekonferenz nun Details bekannt. Der Geiselnehmer war ersten Ermittlungen zufolge am Mittwochnachmittag gegen den Willen seiner 18 Jahre alten Ex-Freundin in deren Wohnung eingedrungen und bedrohte sie mit einer Waffe. Allerdings war diese - anders als vorgetäuscht - keine scharfe Schusswaffe, sondern eine Soft-Air-Pistole. Er habe im Laufe der Geiselnahme einige Böller gezündet und diese als Schüsse ausgegeben, so die Polizei. "Es gibt eine Vorgeschichte zwischen den Personen", ergänzte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. Weitere Einzelheiten nannte sie aber nicht.

Salzsäure und eine Armbrust

In den Morgenstunden untersuchte die Spurensicherung die Wohnung in dem Mehrfamilienhaus. "Das Grundmotiv des Mannes, in die Wohnung einzudringen, ist noch nicht einschätzbar", sagte Polizeipräsident Achim Thiel. Der Täter habe vier Ultimaten gestellt und dabei auch gedroht, die junge Frau zu erschießen. Er gab an, neben einer scharfen Pistole Salzsäure und eine Armbrust bei sich zu haben.

"Es war kein roter Faden in den Forderungen", sagte Einsatzleiter Michael Hallstein über die Verhandlungen. "Er war phasenweise ruhig und entspannt, dann wieder hoch aggressiv und hat gedroht, dann wieder lethargisch."

Die Mutter der Geisel hatte die Polizei verständigt und gesagt, sie komme nicht in die Wohnung, weil der Ex-Freund ihrer Tochter diese von innen barrikadiert habe, so Hallstein. Als Beamte in der Hochparterre-Wohnung in dem Mehrfamilienhaus eintrafen, hielt der Mann der 18-Jährigen eine Pistole an den Kopf und drohte durch einen Türspalt zu schießen. Die Polizei sei dann mit dem Täter in einen rund sieben Stunden langen Verhandlungsmarathon getreten.

Der 25-Jährige sollte noch heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Eine Geiselnahme wird laut Strafgesetzbuch mit Haft nicht unter fünf Jahren bestraft.