Studie der Hans-Böckler-Stiftung

Gehaltsgerechtigkeit: Das machen ostdeutsche Familien besser

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt verdienen Frauen weiterhin deutlich weniger Geld als Männer. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
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15. September 2020 - 14:39 Uhr

Warum sind die Gehaltsunterschiede im Osten geringer?

Männer und Frauen verdienen nicht gleich viel Geld. Das ist leider auch im Jahr 2020 noch so. Aber wie groß der Gehaltsunterschied am Ende ist, das ist auch eine Frage von Ost und West. Die ostdeutschen Frauen sind vorne. Warum ist das so?

Frauen im Osten häufiger erwerbstätig als im Westen

In den neuen Bundesländern sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern auf dem Arbeitsmarkt, bei der Bezahlung und der Erwerbstätigkeit meist geringer als im Westen, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt.  

Ein Grund: Frauen im Osten sind häufiger erwerbstätig als Frauen im Westen. Und das hängt mit der Betreuung der Kinder zusammen.

  • 2018 waren nur knapp 72 Prozent der westdeutschen Frauen erwerbstätig, bei westdeutschen Männern liegt die Zahl bei 80 Prozent. In den neuen Ländern beträgt der Unterschied nur vier Prozentpunkte.
  • Fast jede zweite Westdeutsche arbeitet in Teilzeit (48,6 Prozent), in Ostdeutschland sind es nur 34,7 Prozent.
  • Der Anteil der Frauen, die lediglich einen Minijob haben, ist im Westen mit 17,1 Prozent sogar fast doppelt so hoch wie in Ostdeutschland mit 9,9 Prozent.

Familien im Westen schicken ihre ganz kleinen Kinder seltener in Kitas oder Kindergärten als Familien aus den neuen Bundesländern.

  • In Ostdeutschland werden 41,4 Prozent der Kinder unter drei Jahren und 74,8 Prozent der 3- bis 6-Jährigen ganztags außer Haus betreut.
  • Dagegen sind es im Westen nur 14,3 beziehungsweise 40,5 Prozent.

Beide Vollzeit mit Kindern? Im Westen nur 20 Prozent!

Die Unterschiede bei Kinderbetreuung und Arbeitszeiten tragen - unter anderem wegen geringerer Karrieremöglichkeiten - wesentlich dazu bei, dass die Lohnlücke in Westdeutschland weiterhin deutlich größer ist als in Ostdeutschland. Im Westen liegt der durchschnittliche Stundenlohn von Frauen 21 Prozent unter dem von Männern, der Abstand ist damit dreimal so groß wie in den neuen Ländern. Allerdings sind die Stundenlöhne ostdeutscher Männer wesentlich niedriger als die von männlichen Beschäftigten in den alten Ländern.

Auch bei der Verteilung der Arbeitszeit innerhalb von Paarbeziehungen gibt es deutliche Ost-West-Unterschiede. In den neuen Ländern arbeiten bei 44 Prozent der Paare mit Kindern beide Partner Vollzeit, im Westen trifft das nur auf 20 Prozent zu.

In Deutschland verdienen zwei Drittel der Beschäftigen einen Stundenlohn von weniger als 20 Euro. Das zeigt eine aktuelle Studie, die RTL exklusiv vorliegt.

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