Gegen Preisdumping

Die ganze Nacht: Landwirte blockieren stundenlang Zentrallager von Discounter

08. Dezember 2020 - 14:37 Uhr

Bauern protestierten seit Montagabend

Es ist ein Streit, der nicht zu enden scheint: Die Landwirte wollen mehr Ertrag von den Lebensmitteln, die sie produzieren, doch in den Supermarktregalen bleibt der Preis niedrig. Gestern traf sich Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) in einer Online-Gesprächsrunde unter anderem mit Vertretern von Discountern, Molkereien und landwirtschaftlichen Verbänden. Jedoch blieb dieses Gespräch offenbar ergebnislos. Seit Montagabend (7. Dezember 2020) blockierten Landwirte mit ihren Traktoren deshalb mehrere Zentrallager des Discounters Aldi Nord in Niedersachsen. An manchen Standorten zogen die sie erst am Dienstagmorgen wieder ab. Warum die Landwirte so sauer sind, erklären sie im Video.

Hunderte Traktoren auf den Zufahrtsstraßen

Rund 150 Trecker in Ohlendorf im Kreis Harburg, weitere 150 in Lingen im Landkreis Emsland und rund 200 Traktoren in Hesel im Landkreis Leer - die niedersächsischen Landwirte versammelten sich am Montagabend erneut zu Hunderten vor den Zentrallagern des Discounters, wie sie es in den vergangenen Wochen bereits häufiger auch bei anderen Supermarktketten getan haben. Doch dieses Mal bewiesen einige Bauern darunter offenbar besondere Ausdauer: Denn wie die Polizeidirektion Oldenburg mitteilte, waren am Dienstagmorgen vor den Zentrallagern in Beverstedt (Landkreis Cuxhaven) und Weyhe (Landkreis Diepholz) noch immer insgesamt rund 120 Landwirte postiert. Erst nach Gesprächen mit der Filialleitung bzw. einer Zusage für ein Gespräch Ende der Woche, gaben die Landwirte die Zufahrtswege wieder frei. Die Demonstrationen verliefen laut Polizei friedlich. Die Polizeidirektion Oldenburg hatte die Einsatzleitung übernommen, um zwischen den Parteien zu vermitteln und den störungsfreien Lieferverkehr wiederherzustellen.

Vorangegangenes Gespräch ohne konkretes Ergebnis

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Foto: Christophe Gateau/Archivbild
© deutsche presse agentur

Die Landwirte brachten mit dem Protest ihre anhaltende Wut über die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels zum Ausdruck. Während Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast am Montagabend nach dem Gespräch mit den Discounter-Vertretern und den landwirtschaftlichen Verbänden von einer erkennbaren Vorwärtsbewegung und einem klaren Willen zum Dialog sprach, hatte sich der Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Niedersachsen, Ottmar Ilchmann, "ein bisschen mehr erhofft". Das Gespräch sei wenig in die Tiefe gegangen. Es habe keine Zusagen für Nothilfen gegeben, und auch keine Perspektive, wie es langfristig weitergehen solle.

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Bauern empört über Brief der Handelsketten

Auslöser der Wut der Landwirte war ein Brief der großen deutschen Handelsketten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Darin hatten sich die Topmanager der Konzerne Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) über Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beschwert. Die CDU-Politikerin hatte einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, mit dem Landwirte und kleinere Lieferanten besser vor dem Preisdruck der Handelsriesen geschützt werden sollen und von teils unfairen Bedingungen gesprochen. Klöckner habe ein Zerrbild der Handelsunternehmen gezeichnet, klagten die Supermarkt-Ketten.

Quelle: DPA / RTL.de