Regen auf Bestellung - geht das?

Gegen die Trockenheit: FDP fordert Wolkenimpfung

05. Mai 2020 - 20:43 Uhr

Alternativer Weg aus der Trockenheit: Wolkenimpfung

Kann Deutschland vor lang anhaltender Trockenheit, wie gerade wieder erst im April erlebt, geschützt werden? Die FDP  hat da einen ungewöhnlichen Vorschlag gemacht. Der Neuen Osnabrücker Zeitung zufolge, fordert die Partei In einem Antrag, der in den Bundestag eingebracht werden soll: "Ebenso sollte die Forschung zum gezielten Abregnen mittels Wolkenimpfung (Cloud-Seeing) ausgedehnt und die praktische Anwendung mittels Modellvorhaben gefördert werden." Wolken impfen, damit es regnet - kann das etwa tatsächlich funktionieren?

Übrigens: Wie die aktuellen Prognosen u.a. in Sachen Regen für die nächsten 14 Tage aussehen, das erfahren Sie im Video oben.

Zum Verständnis: So entsteht Regen

Wolke ist nicht gleich Wolke. Das hängt maßgeblich am Wasserdampfgehalt und an der Ausdehnung. Große Gewitterwolken haben in Sachen Wasser wesentlich mehr zu bieten als kleine Schönwetterwölkchen. Außerdem ist natürlich die Bereitschaft, das Wasser abzugeben deutlich größer. Ist genügend Wasserdampf in der Wolken vorhanden, dann führt das dazu, dass sich die Wasserdampf-Moleküle aneinander hängen und anschließend - der Schwerkraft folgend - zur Erde fallen. Es regnet. Meistens aus eher grauen bis dunklen Wolken. Denn diese bestehen aus mehr Wasserdampf, weshalb sie wiederum dunkler erscheinen. Anders sieht es aus, wenn die Wolken weniger verfügbares Wasser haben.

29.04.2020, Bayern, Hohenschäftlarn: Wassertropfen hängen im Regen am Blatt einer Olivenpflanze. Nach langer Trockenheit wird ergiebiger Regen in Bayern erwartet. Foto: Stephan Jansen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Regen bringt Leben. Unsere Nahrungsgrundlage Nummer eins. Denn ohne himmlisches Nass läuft in unseren Breiten nichts.
© dpa, Stephan Jansen, sja fdt

Aus Silberjodid werden Kondensationskeime

Auch Wolken, die weniger Wasser transportieren, können Regen bringen. Entscheidend ist hierbei das Vorhandensein der sogenannten Kondensationskeime. Das sind beispielsweise Staub-, Salz- oder Rußpartikel oder Gasmoleküle. Diese dienen dem Wasserdampf als Sammelpunkt. Sind genügend feinste Tröpfchen rund um den Keim versammelt, dann geht es auch für diese Gruppe abwärts. Insofern kann man durch das Einbringen von künstlichen Keimen, zum Beispiel Silberjodid, Regen erzeugen. Je mehr Keime vorhanden sind, um so mehr Tropfen können sich bilden. Die Grundproblem ist aber: Es muss ausreichend Wasserdampf in der Wolken vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, dann kann geimpft werden, was das Zeug hält. Im Ergebnis bleibt das Cloud-Seeing aber erfolglos.

Hintergrund-Info: Federleicht oder Tonnen schwer - So viel wiegen Wolken

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Die Theorie ist somit klar: Wir finden passende Wolken, impfen diese und am Ende regnet es. Es bleiben allerdings zwei Grundprobleme: Wie komme ich an die passenden Wolken, wie sehen diese überhaupt aus und sind denn überhaupt welche vorhanden? Denken wir beispielsweise an den vergangenen April: 10 Sonnenstunden pro Tag lassen nur wenig Optionen für Wolken. Und wo nichts zum Impfen da ist, da kann auch nichts zum Regnen gebracht werden.

Problem Nummer zwei: Unsere Wetterküche ist kein Labor. Ich habe nicht zweimal die gleiche Wolke. Eine, die ich impfen kann und eine, die ich als Kontrollwolke beobachten kann. Denn nur so kann ich überprüfen, ob mein Experiment tatsächlich funktioniert. Vielleicht würde es - auch ohne Impfverfahren - einfach mal regnen. Unterm Strich ist die Theorie somit gut und nachvollziehbar, in der Praxis ist sie aber nicht umseztbar.

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