Gefesselt und gepeinigt: Nach den Misshandlungsvorwürfen ermittelt nun die Staatsanwaltschaft bei Aldi

Das Zentrallager von Aldi Süd in Mahlberg in Baden-Württemberg. Hier sollen die Auszubildenden misshandelt worden sein.
Das Zentrallager von Aldi Süd in Mahlberg in Baden-Württemberg. Hier sollen die Auszubildenden misshandelt worden sein.
© dpa, Patrick Seeger

24. September 2013 - 17:13 Uhr

"In dem Moment hatte ich wirklich Angst"

Mit Frischhaltefolie sollen Aldi-Mitarbeiter missliebige Azubis an Pfosten gefesselt haben – so fest, bis sie kaum noch atmen konnten. Dann beschmierten sie angeblich die Gesichter der Nachwuchskräfte mit Filzstiften. Von den Vorgesetzen wurde das ganze offenbar beobachtet und gebilligt. So lauten die Vorwürfe gegen Deutschlands bekanntesten Discounter Aldi. Nun hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet: Sie ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung.

"In dem Moment habe ich wirklich gedacht, die lassen die Folie drauf. Ich habe wirklich gedacht: Jetzt meinen die es ernst. Und in dem Moment habe ich schon wirklich Angst bekommen", schildert der ehemalige Aldi-Azubi Patrick die Bestrafungs-Aktionen in einem Interview mit RTL. Weil er damals in der Probezeit war, hatte er sich nicht getraut, die Kollegen anzuzeigen. Herausgekommen waren die Misshandlungen durch das bald erscheinende Buch eines ehemaligen Aldi-Managers, aus dem der 'Spiegel' zitierte.

Aldi bestätigte die Vorwürfe bereits auf Anfrage. "Zu unserer Bestürzung hat sich durch interne Recherchen gezeigt, dass das beschriebene Geschehen in seiner Kernaussage der Wahrheit entspricht", erklärte Aldi. Das Unternehmen habe erst durch eine Anfrage des Magazins von den Vorfällen erfahren und sei darüber "entsetzt" gewesen, hieß es weiter. Sowohl die leitenden Verantwortlichen als auch die aktiv an der Tat beteiligten Mitarbeiter seien bereits zur Rechenschaft gezogen worden.