Gefahr durch Schädlinge wächst

Hessische Wälder sind zu trocken

Abgestorbene Fichten ragen in einem Waldstück in die Höhe. Foto: Arne Dedert/dpa
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16. September 2020 - 8:05 Uhr

Kaum noch Wasservorräte im Boden

Hitze und Trockenheit haben dem hessischen Wald enorm zugesetzt. "Der Boden ist seit drei Jahren so stark ausgetrocknet, dass die Bäume selbst in tieferen Schichten immer schwieriger Wasser finden", sagte Berthold Langenhorst, Experte vom Naturschutzbund Nabu. Und: Je trockener die Bäume, desto größer sei die Gefahr durch Schädlinge wie den Borkenkäfer.

Fichten sind besonders gefährdet

Problematisch sei es besonders für die Fichte, die aufgrund ihres guten Nutzholzes hier angesiedelt worden sei. "Die Fichte mag es kühl und feucht und bekommt jetzt ganz große Probleme." Als Flachwurzler, gelange sie nur schwer an tiefe Wasserspeicher. Der Experte schätzt: "Im Taunus wird es spätestens in fünf Jahren keine Fichte mehr geben." Aber auch andere Wälder wie der Spessart und der Odenwald seien von Trockenheit bedroht.

Stämme von der Fichte liegen zur Abholung durch Waldarbeiter an einem Forstweg bereit.
Zu wenig Wasser, zu viele Schädlinge: Viele Fichten müssen in Hessen gefällt werden.
© dpa, Lino Mirgeler, lim mjm rho

Hessen und Rheinland-Pfalz sind waldreichste Bundesländer

Die Waldfläche in Hessen beträgt etwa 894.180 Hektar - fast die Hälfte (42,3 Prozent) des Bundeslandes sind von Wald bedeckt. Mit diesem Waldanteil liegt Hessen zusammen mit Rheinland-Pfalz an der Spitze der Bundesländer. Auf rund einem Fünftel der Fläche wachsen Fichten, die neben Wassermangel noch ein anderes Problem haben: Sie sind besonders schwer von der Borkenkäferplage betroffen. Von allen Bäumen, die 2019 wegen Insektenbefall gefällt werden mussten, waren zwischen 98 und 99 Prozent Fichten.

Nabu: Weniger Monokultur, mehr Nähe zur Natur

Zur Rettung des Waldes muss nach Ansicht des Nabu forstwirtschaftlich gegengesteuert werden. Bei Monokulturen hätten etwa Schädlinge ein leichtes Spiel. Sinnvoll sei ein naturnaher Waldbau mit möglichst vielen verschiedenen Baumarten, die hier heimisch sind.

Nach den ohnehin schon trockenen Jahren 2018 und 2019, blieb es auch in den vergangenen Monaten zu trocken. Von Juni bis August blieb der durchschnittliche Niederschlag von 170 Litern pro Quadratmeter deutlich unter dem Sollwert von 222 Litern, bilanzierte kürzlich der Deutsche Wetterdienst (DWD).


Quelle: DPA/RTL.de