Arzt klärt auf

Gefahr durch Kopfbälle und Zusammenstöße: Kann Fußball Demenz auslösen?

© dpa, Matthias Balk, mbk

23. Oktober 2019 - 19:11 Uhr

​Vom leichten Schädelbrummen bis zur Gehirnerschütterung: Wer beim Fußball seinen Kopf einsetzt, bringt sich in Gefahr. Eine neue Studie aus Schottland legt jetzt nahe, dass Profi-Fußballer einem erhöhten Demenzrisiko ausgesetzt sind. Wir haben einen Arzt gefragt, wie gefährlich Fußball tatsächlich ist - und was man als Hobbykicker beachten sollte.

Sogenannte Kopftraumata als Risikofaktor

"Die neue Studie deckt sich mit bisherigen Untersuchungen, dass wiederkehrende Kopftraumata ein Risikofaktor für viele verschiedene Gehirnerkrankungen wie Parkinson, Depressionen oder Alzheimer sind", erklärt Christoph Specht, Arzt und Medizinjournalist, die aktuelle Studie. Ein sogenanntes Kopftrauma kann beim Kicken durch verschiedene Einflüsse entstehen: Ein harter Kopfball oder ein unglücklicher Zusammenstoß mit einem Mit- oder Gegenspieler reicht bereits aus.

"Über den Zeitraum einer Karriere kommen sicher viele kleinere Verletzungen zusammen, die sich dann im Laufe der Jahre eben addieren", so der Mediziner. Eine Gehirnerkrankung wie Demenz trete dann nicht von heute auf morgen auf - aber eben auf lange Sicht.

Risiko vor allem für Profi-Fußballer

Die Studie der britischen Wissenschaftler sieht das Demenz-Risiko vor allem bei Profi-Fußballern bzw. ehemaligen Leistungsspielern. In der Studie wurden 7700 schottischen Ex-Profis und rund 23.000 weitere Männer ohne Fußball-Bezug untersucht. Mit einem deutlichen Ergebnis: Die früheren Berufskicker hatten eine dreieinhalbfachere Wahrscheinlichkeit, an Demenz oder einer anderen neurodegenerativen Erkrankung zu sterben.

"Auf Amateurfußballer lässt sich die Studie aber nicht übertragen", so Medizinjournalist Specht. "Eine Vermutung liegt trotzdem nahe: Profi-Fußballer sind viel längere Zeit und viel stärker dem Risiko der Kopftraumata ausgesetzt." Auch Freizeitkicker sollten die Gefahr, vor allem durch Kopfbälle, aber nicht unterschätzen. "Ein Kopfball ist immer ein starker Impuls, das Gehirn wird in diesem Moment verlagert und gequetscht", erklärt Specht weiter. "Man sollte da schon einfach etwas vorsichtig sein: Wie viele Kopfbälle kriege ich ab? Wie stark sind sie?" Vor allem Kinder und Jugendliche sollten beim Kicken aufpassen.

Einzelne Profis spielen bereits mit Schutzhelm

Klaus Gjasula
Seit einem Jochbeinbruch spielt Gjasula mit einem Schutzhelm.
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Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) weiß um die Gefahren für Profi-Fußballer - und schickt seit diesem Jahr alle Erst- und Zweitligaspieler zum Kopf-Screening. Bundesliga-Profi Klaus Gjasula von Aufsteiger Paderborn forderte sogar eine Helmpflicht für alle Spieler. Der Profi spielt seit 2013 selbst mit Helm - und empfiehlt es auch allen Kollegen. "Das würde vielleicht auf dem Platz komisch aussehen, aber es wäre definitiv für die Gesundheit aller das Beste." Der Helm gebe ihm das Gefühl, dass nichts passieren könne, so Gjasula, dem seine Kopfbedeckung unter seinen Mitspielern den Spitznamen "Spartacus" eingebracht hat.

Auch Ex-Weltklasse-Torwart Petr Cech, der bei den englischen Top-Clubs Chelsea und Arsenal spielte, trug nach einem Unfall auf dem Platz immer einen Helm.